Trinken – Teil 1: von Gläsern, Bechern, Flaschen und Plantschfreuden

In den ersten Monaten seines Lebens bekommt ein gestilltes Baby alles, was es braucht, durch die Muttermilch. Die Milch stillt seinen Hunger, sie löscht den Durst, sie ist Trost und Vertrautheit und Liebe und Nähe. Ein nach Bedarf vollgestilltes Baby braucht sonst überhaupt nichts – keinen Tee, kein Wasser, keinen Saft oder sonstwas. Nichtmal im Hochsommer ist es da notwendig, dem Baby zusätzlich etwas zu Trinken zu geben.

Das Thema Trinken wird also erst mit Beikostbeginn interessant. Grundsätzlich gilt beim Trinken das Gleiche wie beim Essen: anbieten und machen lassen. Der einzige Unterschied ist, dass das Baby da am 20160901_102714Anfang sehr wohl Unterstützung brauchen kann, weil es anfangs vielleicht noch nicht gelingt, das Glas alleine zum Mund zu führen und zu halten.
Für Babys gibt es eine Vielzahl an eigens konzipierten Trinkbehältnissen. Von Schnabeltassen über Doidy Cups (ich weiß gar nicht, wie’s heut um die bestellt ist, aber bei meinem ersten Sohn war das quasi das must have unter all den Trinkbehältnissen) und Magic Cups hin zu Flaschen mit verschiedensten Trinköffnungen zum Beispiel von Klean Kanteen oder Pura Kiki, oder auch ganz klassische Sportaufsätze für Emil Flaschen oder ganz normalen Edelstahlflaschen. Was man verwendet, bleibt jedem einzelnen letztlich selbst überlassen und über Vor- und Nachteile, Sinn und Unsinn derartiger Behältnisse lässt sich auch bestimmt diskutieren. Ich möchte zur Kaufentscheidung da eigentlich nur einen einzigen Gedanken mit auf den Weg geben: man kann ganz schön viel Geld machen, wenn man die Eltern glauben lässt, dass das Kind nicht aus einem normalen Becher trinken kann.

Bei meinen Kindern ist mir bei der Beikosteinführung wichtig, dass sie möglichst natürlich und möglichst unaufwendig in den Familienkreis hineinwachsen. Und gleiches gilt daher auch beim Trinken. Alle drei Söhne haben aus ganz normalen Gläsern und Bechern trinken gelernt, wie wir sie zuhause haben. Tatsächlich hat sich das aber zufällig so ergeben, weil der erste Sohn kurz vor seinem Beikoststart das Wasserglas des Mannes geschnappt, entschlossen zu seinen Lippen geführt und einen Schluck getrunken hat. Das war einer der Momente, an die ich mich Jahre später noch so lebhaft erinnere. Wir waren beide erstaunt und überrascht, andererseits hatten wir schon lange davor beobachtet, wie Konstantins Blick an unseren Gläsern haftete, wenn wir daraus getrunken haben. Und da war uns schnell klar: das Kind will tun, wie wir tun. Der will keinen eigenen Babybecher haben, der will teilhaben, der will mitmachen, der kann aus einem ganz normalen Glas trinken lernen! Dazu kamen dann auch noch unsere Vorbehalte gegenüber Trinkbehältnissen aus Kunststoffen (und einer möglichen Absonderung von Weichmachern) und da war rasch geklärt: unser Kind lernt aus unseren Gläsern trinken.
Wir hatten Glück, dass der erste Sohn auch kein besonders geschäftiger Runterschmeißer war. Eigentlich ging gar nichts zu Bruch bei ihm. Beim zweiten Sohn war das dann gänzlich anders. Der hat alles runtergeschmissen und kaputt gemacht, deshalb sind wir dann auf Bambusbecher ausgewichen.
Der zweite Sohn hatte außerdem eine wirklich nervtötende Angewohnheit: nach jeder Mahlzeit nahm er sein noch halbvolles Glas und leerte es auf dem Tisch aus. Und das hat er gemacht, bis er 1,5 Jahre alt war. Wahrscheinlich hätten ihm da viele Eltern schon kein Glas mehr hingestellt. Und natürlich waren wir auch davon genervt. Sehr. Am Anfang ist sowas ja noch witzig und irgendwie süß, aber die Begeisterung schwindet mit der Zeit. Und dann ist es nur mehr mühsam. Wir hatten dann halt immer schon eine Mullwindel zum Aufwischen bereit bzw. haben wir teilweise dann doch versucht, rechtzeitig hinzugreifen und das Glas grad noch seinen kippenden Händchen zu entziehen. Eine andere Mutter gab mir dann den Tip mit dem Magic Cup. Das ist ein Becher, aus dem man zwar trinken kann, der sich aber nicht ausleeren lässt. Prinzipiell war die Idee gut, aber ich konnte mich dennoch nicht damit anfreunden, denn offenbar ging es ihm ja ums Ausleeren. Kinder lernen immer, davon bin ich eben überzeugt. Nur weil wir einen Lernprozess nicht verstehen, heißt das nicht, dass er nicht stattfindet. Und ich war mir sicher, dass es ein Lernprozess war, der ihn dazu brachte, Tag für Tag und Mahlzeit für Mahlzeit sein Glas auszuleeren. Und eines Tages würde dieser Prozess auch seinen Abschluss finden. Ihn vorzeitig zu unterbinden wollte mir doch so gar nicht zusagen. Und ich mein, bitte, es ist ja nur Wasser. Gleich wieder weggewischt und tut auch niemandem weh. Was würde er hingegen lernen, wenn ich ihm einen nicht ausleerbaren Zauberbecher hinstelle? Nichts, außer dass Mama ihn ausgetrickst hat. Auch blöd.
Nach etwa einem Jahr war es dann auch wirklich so weit, und der Lernprozess war vorbei. Einfach so hat er eines Tages sein Glas nicht mehr ausgeschüttet und auch nie wieder damit angefangen.

Die anderen beiden Söhne, also der Große und der Kleine, waren bzw. sind „Händchenbademeister“. 20161108_063209Das Element Wasser ist für Kinder natürlich äußerst faszinierend und statt ausleeren beschäftig(t)en die beiden sich mit dem Wasserglas lieber als Minibadeanstalt. Das Händchen wird hineingetaucht und das Wasser erfühlt, ertastet, erspürt, das Händchen wieder rausgezogen, nochmal rein oder vielleicht auch nur die Finger. Und klar, manchmal fällt das Glas dann auch um. Aber es ist ja nur Wasser.

Wie mit dem Essen, ist es mir auch mit dem Trinken wichtig, dass die Kinder ihre ganz eigenen Erfahrungen machen dürfen – in unserem geschützten Rahmen. Sie sollen das Essen wie auch das Trinken beGreifen können, und da gehört ein Herumgeplantsche nunmal dazu.

Welche Getränke für Babys im 1. Lebensjahr überhaupt in Frage kommen und wie wir das so machen mit Säften, Tee, Kakao und Co. erzähl ich euch demnächst im zweiten Teil zum Thema Trinken.

Eure Mariella.

 

 

 

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