Weihnachten

Über den Advent war es jetzt wieder ruhig hier. Weil einfach zu viel anderes zu tun war. Ich liebe Weihnachten, schon immer. Das ist eine ganz besondere und ganz wichtige Zeit für mich, die ich sehr, sehr genieße. Der einzige Stress, den ich mir mache, entspringt dem Wunsch, jede Sekunde der herrlichen Adventszeit und des Weihnachtstages und -abends  in vollen Zügen zu genießen. Das hieß für mich bisher: das Haus/die Wohnung dekorieren, Weihnachtskekse backen, Punsch kochen, auf Christkindlmärkte gehen, am Besten jedes Wochenende auf einen anderen und unter der Woche auch noch ein oder zwei, Weihnachtslieder hören und singen…. Ja. Früher war das zumindest so.
Mit Kindern schaut die Sache anders aus. Ich musste heuer erstmals erkennen – nein. Stimmt nicht. Ich habe es vor 3 Jahren schon erkannt. Richtig aber ist: ich musste heuer erstmals ANerkennen und ANnehmen, dass meine Adventszeitvorlieben, „mein“ Weihnachten mit Kindern nicht mehr so machbar ist wie früher und ich Dinge ändern muss. Christkindlmarktbesuche wurden auf ein Minimum reduziert. Es ist einfach sinnlos mit den Kindern. Maximal Einer hat Spaß, der Zweite Friert und der Dritte raunzt. Wir waren also einmal am Christkindlmarkt bei uns in der Stadt, da durften die Großen Zug und Karussell fahren und wir Erwachsenen haben inzwischen einen halben Kinderpunsch getrunken, die andere Hälfte abgekühlt um sie den Kindern anzubieten. Denn auch das ist so eine Sache: sie wollen Punsch, aber erst, wenn er kalt ist. Also Punsch kalt werden lassen, immer schön dabei wippend, damit das Baby nicht raunzt. Dann hatten alle Hunger und wir haben Pommes und Langos gekauft (aus Mangel an Alternativen in erster Linie), der Mittlere hat sich mit Ketchup beschmiert und wollte gewaschen werden (kreisch, brüll), der Große hat herumgezappelt, weil er aufs Klo musste und der Babybub hat einen Hysterischen bekommen, weil alle was gegessen haben, nur er nicht. Kann man sich vorstellen, wie entspannt das war? Der Babybub war nicht zu beruhigen. Normalerweise findet sich ja immer irgendwo ein altes Stück Brot oder Semmel in meiner Tasche, das im Notfall zur Babyberuhigung herhalten könnte – aber natürlich ausgerechnet an dem Abend nicht. Und weil ich sonst keinen Ausweg gesehen hab und die Geschäfte schon zu hatten (ich also auch nicht irgendwo ein Semmerl oder eine Banane kaufen konnte), hab ich das Undenkbare getan: das Baby hat ein Pommes Frites bekommen. Macht es die Sache besser, wenn ich erzähle, dass ich es davor zumindest abgeschleckt hab? So richtig rundherum, damit wenigstens das viele Salz abgeht?…. Wahrscheinlich nicht. Meinem 9 Monate alten Baby ein Pommes Frites geben – nie, nie, nie hätte ich das bei meinem ersten Kind gemacht. Nicht mal beim Zweiten. 20161204_085807aAber beim Dritten? Und das war nicht die einzige und nicht die erste Situation bei diesem Kind, wo ich zu anderen Lösungen greifen musste, als ich es bei meinen anderen beiden Kindern jemals getan hätte. Weil bei drei so jungen Kindern oftmals nicht mehr das Ideal, das Optimum, das absolut korrekte, vorzeigbare Öko-Mutter-Gehabe im Vordergrund steht, sondern schlicht und ergreifend die Deeskalation einer Situation. Und deshalb hat der Babybub ein von mir abgeschlecktes Pommes Frites gegessen. Und zufrieden war er.
Als wir nach Hause gefahren sind, der Mann und ich erschöpft und müd, hoffend aber, dass wir den Kindern zumindest einen erinnerungswürdigen Vorweihnachtsausflug beschert haben, musste ich mir eingestehen: so geht das einfach nicht. Mein Plan, jedes Wochenende einen anderen Christkindlmarkt zu besuchen, ist an Ort und Stelle Plan B gewichen, nämlich möglichst wenige Märkte aufzusuchen und die Zeit anderweitig, für die gesamte Familie sinnvoller und dennoch vorweihnachtlich zu verbringen. Die Idealvorstellung – wir am Weihnachtsmarkt, die Kinder rennen fröhlich lachend durch die Reihen und spielen fangen oder beschäftigen sich anderweitig selbst, während wir in Ruhe (haha! Da lachen alle Eltern mit 😉 ) unsere Punsch trinken, ist Bullshit. Aber so richtig. Nonsense. Absolute Utopie. Aus meinem Kopf zu streichen. Auch Berge von Weihnachtskeksen backen, so wie ich das früher gern gemacht habe: geht nicht. Stress pur! Kinder, die mitmachen wollen, während ich Schweißausbrüche durchlebe wenn sie meinen Teig zu Tode kneten, ihre ungewaschenen Fingerchen in den sauber ausgerollten Teig stecken, die Kekse unsauber ausstechen…. Nein, so funktioniert das nicht mehr als Familie. Und tatsächlich ist mir ja eines viel Wichtiger als alles andere: meine Kinder sollen sich an eine schöne (Vor-)Weihnachtszeit zurückerinnern. Und das heißt: adios Perfektionismus! Willkommen Leben, Liebe, Lachen! Wir haben hässliche Kekse gebacken die überhaupt nicht gut schmecken – img_1914aund wir hatten so einen Spaß dabei! Die Hälfte der Vanillekipferl waren gar keine Kipferl, die andere Hälfte ist zerbrochen. Aber die Kinder hatten eine Freude dabei, den Teig zu kneten, zu rollen und sowas wie Kipferl zu formen. Weihnachtsdeko reduziert auf die paar Dinge, die die Kinder mit mir basteln wollten. Nicht perfekt, aber mit Liebe und Lachen gefertigt. Weihnachtslieder haben wir in der Endlosschleife gesungen. Zumindest eins, nämlich das aus dem Kindergarten: öffne doch, ach öffne doch dem Nikolaus die Tür…. vollkommen ausreichend und lauthals in die Welt geschrien. Ich wollte BLW-Kekse backen. Weil perfekte Mutter und so. Ging aber nicht. Keine Zeit. Also, weil ich das jetzt beim dritten Kind (und ich weiß, ich wiederhol mich da, aber ich hätte das wirklich bei keinem der anderen Kinder gemacht und dieses wunderbare dritte Kind hat mich in eine neue Dimension gehoben) lockerer seh, hat er ein normales Keks bekommen. So richtig mit Zucker drin. Hat ihm dann aber eh gar nicht soooo toll geschmeckt. Jedenfalls wollte er kein zweites. Und es wurde auch kein Zuckerjunkie aus ihm. Und er bekommt deswegen jetzt auch nicht jeden Tag was mit Zucker. Oder jede Woche. Es war einfach eine unspektakuläre Ausnahme. Ähnlich wie das Pommes Frites.

Weihnachten war dann auch wirklich sehr schön und sehr entspannt mit unseren Kindern und der Oma und dem Freund von der Oma. Es gab, wie leider immer bei uns, dann letztlich doch zimg_1941au viele Geschenke, dafür leuchtende Kinderaugen, einen wahnsinnig stimmungsvollen Abend und ein herrliches Fondue. Wir essen jedes Jahr zu Weihnachten Fondue, schon seit Jahrzehnten war das in meiner Herkunftsfamilie so und ich habe es in meine eigene Familie mitgenommen. Kann man toll vorbereiten und dann drei Tage lang essen, ohne dass ich jemals in den Feiertagen am Herd stehen muss. Den Kindern schmeckt’s und für den Babybub war auch was dabei. Der bekam Brot und Hühnerfleisch und hätte auch von den selbstgemachten Saucen kosten dürfen, war aber leider an allen drei Tagen abends bereits so müde, dass er nicht mehr wirklich am Essen teilnehmen wollte bzw. davor oder dabei eingeschlafen ist. Nach den Feiertagen gab es dann Rindsrouladen bei der Oma, davon – voll gesalzen und in der Sauce – durfte er dann auch kosten, wollte es aber gar nicht. So viel Fleisch wie in der letzten Woche haben wir schon seit Ewigkeiten nicht mehr gegessen, deshalb steht jetzt mal ein bissl was Fleischloseres am Programm. Außerdem bin ich jetzt in den Ferien etwas kochfaul geworden. Ich hab auch Urlaub und will mich gern anderen Dingen wimen. Der Nähmaschine zum Beispiel. Oder den Kindern vorlesen und Spiele mit ihnen spielen. Der große Sohn lernt sich gerade lesen und braucht da immer wieder mal meine Unterstützung, auch das nimmt Zeit in Anspruch, die ich lieber mit ihm als am Herd verbringen mag. Deshalb müssen es derzeit simple Dinge tun. Brokkolisuppe und Brot. Pellkartoffeln mit den restlichen Saucen von Weihnachten. Kartfoffelgulasch. Käsetoasts. Von all dem kann der Babybub schon problemlos mitessen, der verkraftet das auch, wenn Mutter und Küche im Feiertagsmodus sind.

Was sich beim Babybub sonst noch so getan hat erzähl ich euch demnächst. 🙂

 

Eure Mariella.

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