Salz

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Es ist mir schon lange ein Anliegen, einen rundum informativen Beitrag über Salz zu verfassen. Ich habe gut zwei Wochen dran geschrieben, viel gelesen, mich mit Ärztinnen und Chemikerinnen ausgetauscht und hier für euch alle wichtigen Infos zum Thema Salz zusammengefasst.

Dass Babybeikost – egal ob püriert, im Gläschen oder eben Fingerfood – nicht gesalzen werden soll, ist, denke ich, allen bekannt. Warum genau man aber auf Salz verzichten soll oder ob man überhaupt muss und wenn ja, wie genau das zu nehmen ist, das wissen dann schon nur mehr Wenige. Dabei ist Salz ein nicht wegzudenkendes Würzmittel in unseren Haushalten, für einen europäischen Erwachsenen sogar kaum vorstellbar, ohne Salz zu leben – nur was genau wissen wir schon davon? Warum brauchen wir Salz überhaupt und wieviel davon ist gesund, wo beginnt Salz ungesund zu werden? Was ist mit den sogenannten „versteckten Salzen“, die in vielen Lebensmitteln einfach schon vorhanden sind? Ich denke da an Käse, Wurst, Schinken, aber auch an fertig gekauftes Brot und Gebäck…. Das sind Lebensmittel, die wir häufig im Alltag verwenden, die oft Teil einer Speise sind und deren Salzgehalt dann natürlich beginnt eine große Rolle zu spielen, wenn das Baby mitisst. Wie viel davon ist also unbedenklich und wann wird es gesundheitsschädlich? Was macht Salz überhaupt in unserem Körper und was passiert, wenn man zu viel davon konsumiert hat?

  • wozu brauchen wir Salz?

Salz ist für den menschlichen Körper lebensnotwendig, er kann es allerdings nicht selbst bilden und deshalb muss es über die Nahrung zugeführt. Ohne Salz wären wir nicht lebensfähig, denn wir brauchen es für den Aufbau der Zellen, für Muskeln, Knochen und um den Wasserhaushalt im Gleichgewicht zu halten. Der erwachsene Körper hat übrigens einen Salzgehalt von rund 200-300g, der Körper eines Babys nur von ca. 14g.

  • wie viel Salz brauchen wir?

Das Salz, das wir für unseren Körper brauchen, könnten wir problemlos über unsere tägliche Nahrung aufnehmen, ohne zusätzlich zu salzen. Denn wir brauchen relativ wenig davon, etwa 1g/Tag würde für einen durchschnittlichen Erwachsenen in Europa wohl genügen. Die WHO empfiehlt eine Salzzufuhr von maximal 5g/Tag für Erwachsene. Tatsächlich nehmen wir pro Tag aber durchschnittlich 8g Salz zu uns – zu viel und auf Dauer ungesund.
Unter 9 Monaten sollte Babys laut WHO kein Salz zugeführt werden, zwischen 18 und 36 Monaten werden dann 2g/Tag als obere Grenze angegeben (das ist eigentlich schon recht viel, wenn wir bedenken, dass einem ausgewachsenen Menschen 1g/Tag ja reichen würde…).

  • was macht zu viel Salz mit unserem Körper?

Salz bindet Wasser. Zu viel Salz entzieht daher dem Körper Flüssigkeit. Das ist logisch und nachvollziehbar, ich brauche nur eine Scheibe Gurke zu nehmen und sie salzen  – binnen kürzester Zeit werden sich kleine Wasserbläschen an der gesalzenen Fläche der Gurke bilden – Wasser, das das Salz der Gurke entzogen hat. Mehr oder weniger genau so ist das in unserem Körper auch. Das Salz entzieht dem Körper Flüssigkeit. Diesen Entzug von Flüssigkeit verspüren wir vor allem an den Nieren, denn diese benötigen Flüssigkeit, um zu funktionieren. Die Aufgaben der Nieren liegen darin, den Wasserhaushalt und den Blutdruck zu regulieren und Giftstoffe aus dem Körper auszuscheiden. Eine weitverbreitete Folge von eingeschränkter Nierenfunktion sind Bluthochdruckerkrankungen – eine Volkskrankheit in Mitteleuropa die Hand in Hand mit der chronischen Überdosierung von Salz geht.
Allerdings kann der Körper mit einem gelegentlichen Zuviel an Salz durchaus umgehen, indem er vermehrt Flüssigkeit verlangt, um das überflüssige Salz wieder zu kompensieren. Ein Beispiel aus dem Alltag haben wir alle schon mal erlebt: eine Packung Chips, knisternd, fettig, salzig. Mir reicht schon der Gedanke daran, um Durst zu verspüren – und tatsächlich ist es so, dass unser Körper sich eine Extraportion Wasser holt um die Überdosis Salz wieder auszugleichen. Wer also reichlich Wasser trinkt, kann seinem Körper helfen, sich wieder zu regulieren.

  • bringt Salz uns um?

Diese Frage kann man wohl, auch wenn’s recht dramatisch rüberkommt, mit einem einfachen „ja“ beantworten. Die Zivilisiationskrankheiten in unseren Breitengraden, die mit einer dauerhaften Überzufuhr an Salz in Verbindung stehen, sind vielfältig und zahlreich. Aber auch eine kurzfristige extreme Überdosis Salz kann tödlich enden: man geht davon aus, dass etwa 1g/Salz pro kg Körpergewicht tödlich wirken kann. Bei einem Erwachsenen sprechen wir da von ca. 60-80g Salz, bei einem Baby oder Kind können je nach Größe und Gewicht schon 8-10g Salz zu viel sein. Natürlich können wir davon ausgehen, dass weder ein Kind noch ein Erwachsener sich versehentlich mit Salz vergiftet, weil zu viel Salz in jeglicher Speise schlichtweg ungenießbar ist. Dennoch gibt es einen bei uns bekannten Fall einer tödlichen Salzvergiftung, und das ist der der 4jährigen Angelina, die 2004 im Rahmen einer „Erziehungsmaßnahme“ von ihrer Stiefmutter mit Salz getötet wurde.

  • wieviel Salz soll nun ein Baby im Beikostalter bekommen?

Die WHO empfiehlt, Babys im 1. Lebensjahr keinerlei Salz zuzuführen. Genau gleich lautet auch die offizielle Empfehlung des österreichischen Gesundheitsministeriums. Das heißt aber nicht, dass Babys gar kein Salz zu sich nehmen, denn, wie ich eingangs schon erwähnt habe, Salz ist ja lebensnotwendig – auf die Dosis kommt es an! Sogar Muttermilch enthält Salz (und zwar 0,04g/100g Muttermilch) und das ist auch gut und richtig so (auch künstlicher Säuglingsnahrung ist Salz zugesetzt). Der National Health Service in Großbritannien trifft es mit der Empfehlung da also etwas genauer, wenn sie betonen, dass Babys im 1. Lebensjahr nicht mehr als 1g Salz/Tag zu sich nehmen sollten.
Das eine Gramm Salz pro Tag, das hier für Babys als unbedenklich gilt (und das übrigens auch hierzulande an Universitäten gelehrt wird – danke an meine Kollegin Hansi für den Einblick in ihre Unterlagen!), bezieht sich auf den Anteil Salz, der ohne zusätzliches Salzen durch das Konsumieren gängiger Lebensmittel aufgenommen wird. Sofern dem Baby Wasser zur Verfügung steht, spricht nichts dagegen, seinem Baby im Beikostalter ein Stückchen Käse oder auch mal ein Stück Brot anzubieten. Und ihr werdet auch sehr schnell selber feststellen, wie viel öfter euer Baby nach dem Wasserglas verlangt, wenn es etwas Salz zu sich genommen hat (auch wenn wir von minimalen Mengen reden). Außerdem isst ja ein Baby, das selbst essen darf, im 1. Lebensjahr so geringe Mengen, dass man auf das 1g Salz/Tag niemals kommt, sofern man sich an die Grundgedanken des Baby Led Weanings (keine Fertigprodukte, die gekochten Mahlzeiten für das Baby nicht salzen) hält.
(Ich habe übrigens erst neulich ein Stück Käse, das ich für den Babybub vorbereitet hab, vor und nach dem „Essen“ abgewogen. Ich hab ihm 27g Käse auf den Tisch gelegt und nach dem Essen 25g Käse wieder eingesammelt. 😉 Selbst bei einem Käse mit hohem Salzgehalt (2-5-3g Salz/100g Käse) wäre das nicht mal erwähnenswert.)

 

Eure Mariella.

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REZEPT: Reislaibchen / Was tun mit Reis zu Beginn der Beikostzeit

Vor einigen Tagen habe ich für uns ein Eiercurry gekocht, dazu gab es Reis. Ich habe beim Kochen irgendwie keine Möglichkeit gefunden, das Eiercurry babygerecht abzuändern, besonders weil eine fertig gekaufte Rote Currypaste wichtiger Bestandteil davon war und wiederum die Bestandteile der Currypaste nicht babytauglich sind. Somit war für den Babybub nur mehr ein Ei und der Reis übrig. Ei ist bisher nicht so der Renner, für Reis hingegen hat er sich immer voll interessiert. Nur greifen kann er ihn noch nicht so recht, bislang war es meist ein grober Griff auf meinen Teller, eine Handvoll Reis wurde vom Tisch weg Richtung Mund geführt und am Weg dorthin mehr oder weniger zur Gänze ausgestreut. Für Besteck interessiert er sich zwar sehr, aber das kann er mit seinen 6 Monaten noch nicht richtig benutzen, also auch so lässt sich der Reis nicht zum Mund bringen. Also musste eine andere Lösung her, und die lautete: Reislaibchen!

Laibchen eigenen sich nicht nur in der ersten Beikostzeit ganz toll für BLW-Babys. Sie sind mit einer oder auch mit beiden Händen gut zu greifen und zu halten und es lässt sich hervorragend davon abbeißen oder auch nur daran lutschen.

 

Reislaibchen

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  • ca 4EL ohne Salz gekochter Reis
  • 1 Ei
  • eine kleine Karotte
  • Petersil
  • etwas geriebener Käse (salzarm)
  • etwas Dinkelgrieß

 

060aDas Ei verquirlen. Die Karotte fein reiben. Den Reis, die Karotte, Petersil und Käse vermischen, dann soviel vom verquirlten Ei zugeben, dass eine gut formbare Masse entsteht. Mit Dinkelgrieß lässt sich das Ganze noch etwas verfestigen, sollte es zu flüssig sein.

In einer Pfanne Öl erhitzen, aus der Masse Laibchen formen und sie von beiden Seiten anbraten.

 

Leider war der Babybub schon sehr müde an diesem Tag. Es passiert mir relativ oft, dass ich so abgelenkt bin mit den Tätigkeiten der zwei Großen, dass ich zu spät zum Kochen anfange und das Rübchen dann schon ganz müde ist. 073aEs bleibt dann oft keine andere Möglichkeit, als ihn ins Tragetuch oder in die Tragehilfe zu packen – und dort schläft er dann meistens binnen Minuten ein. So eben auch an diesem Tag und die Reislaibchen gab es dann erst am Tag darauf zum Frühstück.

Eure Mariella.

 

 

Fleisch / 6 Monate Rübchen

Heute ist unser Babybub volle 6 Monate alt. Ich bin mir sicher, euch anderen Müttern geht’s genauso, dass man an so besonderen Tagen ganz besonders intensiv an die Geburt zurück denken muss. Schon den ganzen Tag rennt in meinem Kopf der „heute vor 6 Monaten um diese Zeit….“-Film ab. Kennt ihr, gell?

Tatsächlich zufällig gab es zum 6-Monats-Geburtstag heut zum ersten Mal Fleisch! Voll ungeplant terminmäßig zusammengefallen. Fleisch gibt es bei uns eher selten, also richtiges Fleisch meine ich. Schinken ist eher mal in einer unserer Speisen drin, das ist natürlich auch Fleisch. Aber so richtiges Fleisch, das man roh kauft und zuhause kocht, gibt es sogar so selten, dass heute das erste Mal seit Beikostbeginn war. Zum Einen schmeckt mir das meiste Fleisch nicht, ich mag nämlich nur Huhn und mageres Rind und auch mein Mann braucht nicht ständig Fleisch, zum Anderen fehlt mir auch wirklich die Praxis und Erfahrung beim Kochen, sodass ich mir vieles an Fleischgerichten auch gar nicht zutraue. Es gibt daher nur eine handvoll Fleischgerichte, die Teil unseres üblichen Speiseplans sind, alles andere kann ich nicht. Und von dieser Auswahl ist ein Gericht mit Rind und der Rest mit Huhn oder Faschiertem. Heute gab es das Gericht mit Rind und dabei handelt es sich um ein langsam gegartes Saftfleisch.

Für mein Saftfleisch verwende ich ausschließlich Mageres Meisel und zwar einzig und allein deshalb, weil ich nix anderes kenn. Wenn kein Mageres Meisel da ist, verzweifle ich vor der Fleischtheke und klingle nach dem Metzger um mir Alternativen für „ganz mageres, auf der Zunge zerfallendes Rindfleisch“ benennen zu lassen. Diesmal aber gab es Mageres Meisel und der Tag war gerettet. Wenn das Fleisch fertig gegart ist, ist es wirklich ganz zart und weich und lässt sich mit Gabel oder dem Löffel zerteilen. Und genau deshalb ist es auch ideal für das Beikostbaby!

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Dem Baby Fleisch zu geben, ist natürlich kein Muss (wer vegetarisch oder vegan lebt, kennt sich meistens eh bestens mit der gesunder Ernährung aus und wird in der Lage sein, seinem Baby auch ohne Fleischgerichte einen vielfältigen und an Nährstoffen reichhaltigen Speiseplan zu gestalten). Aber man kann, und man kann auch bei BLW und man kann das schon relativ früh.

Wichtig ist

  • kein besonders zähes Fleisch, das schwer zu kauen ist oder im Mund klumpt
  • am Besten ganz zartes Fleisch, das leicht auch mit den Kauleisten zerteilt werden kann
  • das Fleisch kann gebraten, gegrillz, gegart oder gekocht sein – alles ist möglich
  • wenig bis gar nicht salzen
  • in Stücke teilen, die das Baby gut greifen kann

 

Mageres Rindfleisch eignet sich meiner Erfahrung nach wirklich perfekt für die frühe Beikostzeit. Es zerfällt quasi von selbst, ist leicht zu kauen und zu schlucken und kann dennoch gut in die Hand genommen werden. Ich habe das Fleisch heute erst angebraten und dann mit reichlich Gemüse zusammen 1,5 Stunden geköchelt – so wird es butterweich. Ich habe, weil es im Rezept so vorgesehen ist, das Fleisch vor dem Anbraten an einer Seite mit wenig Senf bestrichen, dafür aber auf jegliches weitere Salzen verzichtet. Dazu habe Nudeln gekocht. Und der Babybub hat es voll genossen!

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Ich hab mit Schweinefleisch absolut Null Kocherfahrung, ich glaube, ich hab sogar überhaupt noch nie Schwein gekocht. Also da kann ich euch auch keine Tipps und Ratschläge geben, aber wer versiert in der Zubereitung von Schweinefleischgerichten ist, der wird vielleicht auch das eine oder andere Rezept parat haben, um das Schweinefleisch richtig zart hin zu bekommen. Derzeit scheint ja Pulled Pork so ein Trend zu sein, das ist Schweinefleisch, das im Backrohr gegart wird und am Ende nur mit der Gabel zerteilt werden kann. Das stelle ich mir auch recht geeignet für ein Beikostbaby vor. Auch beim Huhn kommt es auf die Art der Zubereitung an. Mir ist es schon ein paar Mal passiert, dass das Hühnerfleisch furchtbar zäh geworden ist. Zartes Hühnerfleisch hingegen ist toll für Beikostbabys! Faschiertes ist an sich auch ganz unproblematisch beim Essen, allerdings ist es etwas schwerer zum Mund zu bekommen. Selbst Faschierte Laibchen zerbröseln schnell mal unter mangelnder Feinmotorik. Aber Menschenbabys lernen ja so wahnsinnig schnell, dass es dann meistens beim zweiten Mal schon viel besser funktioniert.

In diesem Sinne: keine Scheu vor Fleischgerichten! Einfach mit dem Salzen zurückhaltend sein und drauf achten, dass das Fleisch für das Baby auch kaubar ist.

 

Eure Mariella

Nähe und Angst

Der kleine Babybub braucht derzeit ganz, ganz, ganz viel Nähe. Damit ihr euch ein genaueres Bild von ganz, ganz, ganz viel Nähe machen könnt: es bedeutet, dass ich ihn komplett den ganzen Tag herumtrage, am Arm oder im Tragetuch oder in der Tragehilfe; es bedeutet, dass er panisch zum Schreien anfängt, wenn ich ihn hinlege, um die Windel zu wechseln; es bedeutet, dass er ebenfalls panisch zum Schreien anfängt, wenn jemand anderer ihn nimmt und ich ihm den Rücken zudrehe; es bedeutet, dass ich nachts nicht mehr 10 Mal stille, sondern 20 Mal; nein, ich übertreibe nicht bei diesen Zahlen; es bedeutet, dass sein Blick mich permanent verfolgt, er immerzu Augenkontakt zu mir sucht, wenn mein Mann ihn trägt.

Ja. Und all dies ist tatsächlich normal. Und zwar vollkommen. Und wenn wir uns mal in die Welt des kleinen Babybuben versetzen, dann ist das auch für uns nachvollziehbar. Sein Leben hat in meinem Körper begonnen, ich war seine komplette Welt. Ich habe ihn genährt, ich habe ihn geschützt, ich habe ihm alles gegeben, damit er gedeihen kann. Und dann wurde er geboren und wir wurden zwar körperlich getrennt, aber weiterhin blieb ich für ihn die Person, die ihn mit ihrem Körper nährt, die ihn schützt, die ihn trägt. Seine Welt hat sich geweitet und war aber doch unweigerlich ganz fest mit mir verbunden, denn ich war Nahrung. Die einzige Nahrung, die er bis Beikostbeginn bekommen hat, kam stets aus meinem Körper. Kein Wunder also, dass seine Welt mit Start der Beikostphase ganz kräftig ins Wanken gerät. Es ist eine Trennung, auch wenn ich sie als Mutter so stark vielleicht gar nicht wahrnehme. Es ist eine Abnabelung, es ist ein riesiger Schritt zu mehr Selbstständigkeit, zu einem Leben, das ohne mich überhaupt möglich ist. Das muss ihm ganz schön Angst machen. Bei all dem Reiz, all der Neugier, all dem Drang des Weiterkommenes, des Entdeckenwollens, dem er sich gar nicht entziehen kann, weil es seiner Natur inne ist, muss ihm das auch wahnsinnige Angst machen. Denn im Gegensatz zu mir weiß er nicht, was da kommt und wie es weitergeht. Ich kenne den Fahrplan, er nicht. Es müssen große Verlustängste sein, die er gerade verspürt. Panik, ich könnte verschwinden, nicht mehr da sein, ihn im Stich lassen.

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Und aus all diesen Gründen gebe ich ihm auch jetzt das, was er braucht. Verweigere ich mich ihm nicht. Ja, mir tut abends alles weh, wenn mein Mann heimkommt, mir den Babybub ein wenig abnimmt (was ja auch nicht immer funktioniert) und ich kurz durchatmen kann (im Sinne von Essen richten, Tisch abräumen, Abwasch machen ohne dabei ein Baby zu tragen). Meistens hängt sich dann direkt einer der zwei anderen an mich, weil auch sie darunter leider, dass ich wenig Platz für sie habe, rein körperlich meine ich. Ja, ich falle abends erschöpft ins Bett und stille dann die ganze Nacht durch und wenn ich morgens aufstehe, fühle ich mich wie 80. Ich bin verspannt, die Füße schmerzen, und es ist keine Pause in Sicht.

Ich erinnere mich gut daran, wie sehr ich zu dieser Zeit bei meinem ersten Sohn mit meinem neuen Schicksal gehadert habe. Wie sehr es mich gefordert und auch immer wieder überfordert hat. Ich konnte es nicht so leicht annehmen, hinnehmen wie heute, weil ich nicht gewusst habe, dass dennoch ein Ende in Sicht ist. Alle paar Wochen habe ich heulend das Baby meinem Mann in die Hand gedrückt und bin schimpfend, schreiend, schluchzend, erschöpft ins Bett gefallen und hatte das Gefühl, dass ich das nicht schaffe, dass ich nicht mehr kann. Aber dann konnte ich doch. Und dann hab ich es doch geschafft. Heute durchlebe ich das zum dritten Mal und ich weiß: es bleibt nicht so. Es ist jetzt hart, es ist jetzt anstrengend, aber es vergeht. Und was auch ganz wichtig ist: ich kann es ja nicht ändern! In der Phase des Beikostbeginns sind Babys einfach so, da brauchen sie ganz viel Rückhalt, ganz viel Rückversicherung, ganz viel Halt, Schutz, Nähe. Und das lässt sich nicht wegzaubern. Die Liebe zu meinem Kind trägt mich hindurch und gibt mir die nötige Kraft, nach jeder durchwachten Nacht doch wieder aufzustehen und da zu sein. Jederzeit. Immer.

 

Eure Mariella.

 

Wasser

Vor drei Tagen hat der Babybub das erste Mal Wasser getrunken!

Ich werde ja oft gefragt, wie man das mit dem Wasser am Besten macht und ab wann und wie man es anbietet. Also wir machen das so, dass es das Wasser ohnehin immer am Tisch gibt (wir alle trinken zu jeder Mahlzeit ausschließlich Wasser) und irgendwann zeigt das Baby dann selbst Interesse und zieht das Glas zu sich hin oder wir bieten es aktiv an, wenn wir das Gefühl haben, es könnte grad passen. Unsere ersten beiden Kinder haben das Glas tatsächlich zu sich gezogen, diesmal habe ich es angeboten und zwar als wir Nudeln gegessen haben. Es war eine trockene Angelegenheit, also nur Nudeln mit Parmesan, ich selbst hatte Durst und hab so dem Babybub auch mein Glas angeboten. Er hat es dann gleich zu sich hingezogen – wie das geht sieht er ja jeden Tag zigfach bei uns – ich hab ihm geholfen, es zu halten und mit ihm leicht gekippt an seinen Mund geführt. Zaghaft hat er seine Lippen zum ersten Mal in seinem Leben mit Wasser benetzt. Dann die Zunge und die Finger seitlich am Rand dazugesteckt. Er hat ein bisschen herumgesprudelt und neugierig diese neue Materie erkundet.

Seither biete ich ihm bei jeder Mahlzeit aktiv ein Glas Wasser an. Er nimmt es nicht immer. Das mit dem Wasser kann eine ziemliche Sauerei werden. Momentan lege ich uns beiden daher eine Mullwindel unter, damit wir uns nicht gleich komplett umziehen gehen müssen. Heute hat er dann das erste Mal einen kleinen Schluck Wasser genommen und sich beim zweiten Versuch dann direkt verschluckt. Und wie ich das schon so oft bei seinen Brüdern beobachten konnte war es auch diesmal: er hat zwar wild gehustet, danach aber sofort wieder das Glas ergriffen und erneut einen Schluck probiert – als wär nichts gewesen. Es ist ja eigentlich komisch, dass wir uns beim leichten Verschlucken unserer Kinder immer gleich so schrecken. Und jeder, der schon ein Kind ohne Brei durch seine Beikostzeit begleitet hat – ja ziemlich sicher auch die, die Brei gegeben haben, denn irgendwann fangen ja auch die Breikinder an, selbstständig zu essen und werden sich verschlucken – hat das sicher schon mal beobachtet, dass wir uns zwar vielleicht sehr schrecken, die Kinder selber aber komplett unbeeindruckt von ihrem Husten sofort wieder dort weitermachen, wo sie aufgehört haben.

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Hier ein paar Tipps zum Thema Wasser/Trinken für den (Beikost)Alltag:

  • Als Getränk in der Beikostzeit (übrigens egal ob BLW oder Brei) eignet sich ausschließlich Wasser. Solange ein Baby noch nach Bedarf gestillt wird, wird es ohnehin seinen ganzen (oder in fortgeschrittenerem Beikostalter) größten Flüssigkeitsbedarf über die Muttermilch abdecken. Das Wasser darf in unseren Breitengraden aus der Wasserleitung kommen, es ist auch nicht nötig, es abzukochen. Wir reden hier ja ohnehin über eine Zeit, in der das Baby schon alles, was es ergattern kann, mit dem Mund erkundet – Keime ohne Ende! Also darf hier auch das Wasser ohne spezielle Vorbereitung Babys Lippen berühren.
  • Saft – und hier gebe ich euch jetzt nur meine ganz persönliche Meinung und Erfahrung weiter – sollte kein generelles Tabu sein, allerdings auch nicht als Durstlöscher angesehen werden. Saft enthält Zucker (im besten Fall Fruchtzucker, ganz oft aber auch zugesetzten) und ist streng genommen eine Süßigkeit. Wir handhaben das eigentlich relativ streng bei uns: zu den Mahlzeiten gibt es keine Getränke außer Wasser. Saft gibt’s in Restaurants oder beim Heurigen mal oder wenn’s einen sonstigen Anlass gibt, aber natürlich auch, wenn die Kinder ihn sich ausdrücklich wünschen. Ich möchte nur nicht, dass Saft das Getränk Nummer 1 wird, weil’s einfach nicht gesund ist. Die Kinder nehmen das sehr gut an. Sie wünschen sich immer wieder mal Saft und ich besorge den dann auch, sie trinken ihn aber als Nascherei, bei Durst verlangt vor allem der Mittlere (3 Jahre) immer nach Wasser und drückt mir den Saft dabei sogar wieder in die Hand.
  • Es ist nicht notwendig, irgendwelche Trinklernbecher anzuschaffen. Ein ganz normaler Becher, ein ganz normales Glas tut’s auch. Die Kinder lernen wahnsinnig schnell, wie das Trinken funktioniert. Ein Becher/Glas aus einem nicht oder schwer zerbrechlichen Material hat den Vorteil, dass halt nix so schnell kaputt geht – denn ja, es wird auf den Boden fallen. Wir haben hier Becher aus Bambus genauso wie normale Kunststoffbecher. Solange ich meine Hand beim Trinken noch dabei hab, nehmen wir auch zerbrechliche Gläser, wenn das Baby meine Hand aber nicht mehr braucht, werden wir zu nicht zerbrechlichem Material wechseln.
  • Für unterwegs verwenden wir Trinkflaschen, am Liebsten eine ohne Plastik und nicht zwingend aber auch mit Sportaufsätzen. Da haben wir schon sehr lange eine Emil Flasche im Einsatz, ich mag aber auch die Pura Kiki oder Klean Kanteen Flaschen. An der Emil Flasche stört mich oft das Gewicht. Mit 3 Kindern hab ich jetzt eh schon ziemlich viel herumzuschleppen, da stört eine schwere Trinkflasche oder zwei oder drei dann halt schon. Da sind Edelstahlflaschen angenehmer.

Viele Kinder baden übrigens gern ihre Händchen im Wasserglas. Ich lasse das uneingeschränkt zu, das hört tatsächlich von selber wieder auf. Bei dem Einen halt früher, bei dem Anderen später. Aber es ist ja nur Wasser, selbst wenn das Glas dann mal umfällt. Es ist viel zu schön, das Kind beim Entdecken, Staunen, Begreifen und Erfahren zu beobachten, als dass ich da eingreifen wollte.

 

Eure Mariella

Feuertaufe – Restaurantbesuch

Gestern war ich ziemlich kreativ. Im Kühlschrank befand sich noch ein hartes Ei von neulich und ich dachte, es wäre eine gute Idee, den Babybub probieren zu lassen. Super in der Theorie.

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1 Minute später:

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Das nächste Mal vielleicht ohne Dotter. Oder ohne Gewand.

Auch mit Himbeeren lief es nicht viel besser. Erfolgreicher war es dann am Nachmittag mit einem Stück Pfirsich. Zum Einen hat’s ihm wahnsinnig gut geschmeckt, zum Anderen konnte er das Stück gut halten, zum Mund führen und dort mit den Kauleisten bearbeiten. Auch wenn’s ein mickriger Ersatz fürs Eis vom Mann war, bei dem ihm fast die Äuglein rausgefallen sind.

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Ganz überraschend gab es bei uns gestern das erste Mal Essen im Restaurant für den Babybub.

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Ins Restaurant mit Kindern essen gehen ist immer spannend. Wobei die zwei Großen inzwischen eh wirklich schon in einem Alter sind, wo’s gut geht, ganz besonders wenn’s dann auch noch a) Pommes gibt und b) ein riesigen Spielplatz im Restaurant. Beides vorgefunden haben wir beim Griechen in Katzelsdorf.

So ganz wussten wir nicht, wie wir mit dem Babybub im Restaurant tun sollen, er ist ja schon noch sehr klein und da fallen einige Sachen, die ich im Restaurant für größere Babys okay finde, für mich noch weg. Aber die Bedenken waren umsonst.

Auf der Vorspeisenplatte befanden sich rohe, unmarinierte Gurkenscheiben und Tomatenviertel, dazu gab’s trockenes Weißbrot und all das konnte der Babybub haben. Er war im Pardies. Sein erstes Brot! Erst war er ob der bröselig trockenen Konsistenz überrascht und es landete wohl mehr in seinem Mund, als er beabsichtigt hatte, nach kurzer Erholungsphase stürzte er sich aber erneut ins Vergnügen.

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Tipps für den Restaurantbesuch

  • den Tisch babysicher machen:

Das bedeutet in erster Linie: weg mit dem Tischtuch! Tischtücher werden mit Vorliebe von Babyhänden erfasst und vom Tisch gezogen. Weg auch mit allem, was sonst noch in Babynähe ist und leicht zu Bruch gehen kann oder sonst für unnötige Sauerei sorgt. Salz/Pfefferstreuer zum Beispiel.

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass das niemanden stört. Sollte der Tisch besonders reichlich gedeckt sein und ist das Entfernen der Tischdecke nicht so leicht möglich, kann man sie auch einfach nur an der Seite, wo das Baby essen wird, wegklappen.

  • Essen auswählen

Fast immer findet sich in den Speisekarten der Restaurants IRGENDWAS, das das Baby essen kann.

Ganz oft sind das die dekorativen Beilagen, die gar nicht Teil des Gerichts sind und automatisch mitserviert werden. Sogar beim Schnitzel liegen oft ein Stück Gurke und/oder Tomate auf dem Teller.

Alternativ kann auch einer der Erwachsenen etwas bestellen, das mit hoher Wahrscheinlichkeit etwas babytaugliches beinhaltet. Zum Beispiel Nudelgerichte (nicht unbedingt Spaghetti, aber Fussili oder Penne eigenen sich da hervorragend), Salate, Kartoffelgerichte oder Kartoffeln als Beilagen, Gegrilltes, Gemüsegerichte, Speisen mit Brot… Meistens ist es sogar möglich, ein Gericht ungesalzen zu bekommen, wenn man danach fragt.

Es ist auch eine Option, den Kellner gezielt nach z.B. etwas rohem Gemüse zu fragen! Das sollte wohl kein Restaurant in große Schwierigkeiten bringen.

Wenn die Baby etwas älter sind, spricht ja auch nichts dagegen, mal ausnahmsweise Pommes Frites zu essen, sollte sich sonst wirklich gar nichts finden. Fast jedes Restaurant hat Pommes Frites (sogar die asiatischen!) und da ist es gar kein Problem, sie ungesalzen zu bestellen.

  • das Baby essen lassen

Wir waren in den letzten Jahren schon oft mit unseren Kindern essen, als sie noch Babys waren und wir haben sie überall genau wie auch zuhause essen lassen. Niemand hat etwas gesagt oder auch nur die Nase gerümpft, wobei als besonders kinderfreundlich die italienischen und griechischen Restaurants herausgestochen sind. Ich lasse das Baby essen und mache am Schluss dann sauber. Heißt, ich wische die zermatschten, zergatschten Essensreste mit den Servietten vom Tisch und hebe rundherum auf, was zu Boden gefallen ist/geworfen wurde. So gab es in all den Jahren noch nie ein Problem damit, dass unsere Babys mitgegessen haben.


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Eure Mariella.