Suppen und breiartige Speisen

Auch wenn mein Blog „Beikost ohne Brei“ heißt und von unserem Alltag mit baby-led weaning handelt, ist BLW nicht zwingend gleichbedeutend mit breifrei. BLW bedeutet ja lediglich, dass das Baby selbst isst und sich in Folge dessen selbstbestimmt abstillt. Sehr oft habe ich schon gesehen, dass der Begriff BLW fehlinterpretiert und mit Fingerfood verwechselt wird.
„Baby-led weaning“ bedeutet übersetzt nichts anderes als „vom Baby geführtes Abstillen“. Der Begriff selbst gibt also keinerlei Auskunft darüber, ob ein Baby Brei oder Fingerfood isst. Er steht für eine Form der Beikosteinführung, in der ein Baby nicht gefüttert wird, sondern selbst isst. Und weil es fürs Kind einfacher ist, feste Kost in die Hand zu nehmen und zum Mund zu führen, weil aber auch die Familienkost, die ein BLW-Baby von Anfang an mitisst, in unseren Breitengraden eher selten breiförmig und doch meistens in fester Form vorkommt, gibt es bei einer Beikosteinführung dieser Form primär feste Kost für das Kind.

  • BLW = Baby Led Weaning = vom Baby bestimmtes Abstillen. Form der Beikosteinführung, bei der das Baby nicht gefüttert wird und von Anfang an die Familienkost mitisst.
  • Fingerfood = Nahrungsmittel, die mit Fingern gegessen werden. Aus praktischen Gründen meist in fester Form, gern aber mit Dips.

Wer Fingerfood gibt, macht noch längst nicht BLW. Wer BLW macht, bietet längst nicht nur Fingerfood in fester Form an.

Jetzt zum Beispiel im Herbst gibt es bei uns öfter mal Suppen. Die Kinder mögen Suppen sehr gern, da ist es meistens sogar egal, welches Gemüse püriert wurde. Eigentlich immer essen sie sie mit Backerbsen. Das ist dann natürlich nicht so super gesund, aber na ja, 20161119_172216immerhin essen sie, was ich gekocht hab, da darf man nicht weiter heikel sein (auch wenn’s mir manchmal das Herz zerreißt, wenn sie z.B. meine indische Pastinakensuppe oder die feine Fenchelcremesuppe unter Backerbsen vergraben…). Suppen kochen geht sehr einfach, ich brate zunächst meist Zwiebel an, ev. Knoblauch dazu, geschnittenes Gemüse hinein, mit Wasser aufgießen, 20-25 Minuten köcheln lassen, pürieren, würzen, fertig. Das ist die Grundlage fast aller meiner Suppen. Manchmal betreibe ich etwas mehr Aufwand und mach eine Hühnersuppe oder was anderes Spezielles. Meistens aber pürierte Gemüsesuppen. Mögen halt die Kinder so gern. Sonst hab ich hier ja jetzt nicht so die Gemüsefreunde am Tisch sitzen.
Manchmal gibt es auch andere breiförmige Speisen bei uns. Kartoffelpüree zum Beispiel. Hummus. Dillsauce. Sowas in der Art. Das ist aber deutlich seltener. Suppen hingegen, eben grad jetzt im Herbst, gibt’s mindestens einmal wöchentlich.

Was aber tun mit dem BLW-Baby wenn Suppen und Breie am Speiseplan stehen?
Das kommt ein bisschen aufs Alter drauf an. 20161120_120039Mit 6 Monaten macht es praktisch keinen Sinn, dem Baby ein Schälchen Suppe hinzustellen. Das fliegt entweder gleich vom Tisch oder wird nur entleert oder fällt um. Mit 8 Monaten hingegen geht Suppe schon ganz gut. Klar wird die auch ausgeleert, wird reingegatscht, verschmiert, verteilt und nur wenig davon gegessen. Auch die Schüssel landet immer wieder mal am Boden. Aber das Baby nimmt in dem Alter schon gern den zugehörigen Löffel zur Hand und übt. Übt das Löffeln, übt den Umgang mit dieser schwierigen Konsistenz. Denn Brei mag zwar leichter zu schlucken sein als feste Kost, zum Mund hingegen kommt er nur schwer.
Wenn man Suppe also noch nicht geben kann/will, dann bietet es sich an, einen Bestandteil der Suppe vor dem Pürieren herauszunehmen. Das kann jedes Gemüse sein, aber auch Fleisch oder was auch immer Teil der Speise ist. Ich hab euch hier mal ein paar erprobte Tipps aus unserem Alltag zusammengesammelt.

am Speiseplan steht….

  • pürierte Gemüsesuppe
    • Beikostanfänger: das Gemüse, das für die Suppe verwendet wird, größer schneiden, sodass es gut vom Kind in die Hand genommen werden kann. Für das Baby vor dem Salzen Gemüse entnehmen und abkühlen lassen, danach erst für die restliche Familie pürieren.
    • Beikostfortgeschrittene: die Suppe mit etwas weniger Wasser kochen (gerade so, dass das Gemüse gut bedeckt ist; bei stark wässerndem Gemüse wie Zucchini weniger Wasser nehmen), zu einem dicken Brei pürieren, vor dem Salzen etwas fürs Baby entnehmen. Dann noch Wasser zugießen und für die restliche Familie fertig zubereiten. Bei Cremesuppen darf Rahm/Obers auch schon in die pürierte Version für das Baby miteingearbeitet werden!
  • Fleischsuppen
    • Beikostanfänger: das Fleisch nach dem Kochen von den Knochen lösen, davon weiche, größere Stücke vor dem Salzen für das Baby zur Seite legen. Unbedingt darauf achten, dass keine kleinen Knochen drin versteckt sind. Wenn Gemüse Teil der Suppe ist, dann hier wie bei den Gemüsesuppen ev. etwas größer schneiden und dem Baby vor dem Salzen etwas herausnehmen.
    • Beikostfortgeschrittene: Die Suppe normal zubereiten bis auf das Salz und dem Baby die festen Bestandteile der Suppe herausnehmen. Die dünne klare Suppe ist für Babys im 1. Lebensjahr normalerweise nur schwer bis gar nicht zum Mund zu bekommen.
  • Pürees
    • Beikostanfänger: hier wie bei den Gemüsesuppen vor dem Pürieren fest Bestandteile für das Baby entnehmen.
    • Beikostfortgeschrittene: dem Baby etwas (von der Konsistenz her festeres) Püree in einer Schüssel zum Tisch geben. Grad bei Kartoffelpüree kann man bei der Konsistenz sehr gut mit der Milchmenge variieren und so die Festigkeit des Pürees an die Motorik des Kindes anpassen.

Grundsätzlich gebe ich dem Baby recht früh eine kleinen Löffel zum Essen dazu, wenn wir auch einen beim Essen haben. Die Kleinen haben größte Freude daran, unsere Gesten zu 20161121_182016imitieren und die Handhabung des Löffels zu üben. Auch wenn’s nicht beim ersten Mal klappt (und zweiten Mal, dritten Mal…). Wer üben darf, hat’s aber recht schnell heraußen.
Da die Grundidee von BLW schon die ist, dass das Baby mitisst, versuche ich auch immer, seinen Anteil an der Mahlzeit möglichst nah an unserem Essen zu belassen. Er sieht das ja auch. Wenn ich was Püriertes hab und er nicht, versucht er vehement, mir in meinen Teller zu matschen. Wenn ihm ein Bestandteil des Essens fehlt (Reis zum Beispiel, lass ich zugegebener Maßen auch gern mal weg, wenn ich wenig Zeit hab und nachher eben nicht einen großen Rundumputz machen will), sieht er auch das sofort und verlangt danach. Er ist Teil dieser Familie und will gleich behandelt werden. Und das soll auch so sein. Und er soll haben dürfen, was wir haben.

Eure Mariella.

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REZEPT: Faschierte Spinatlaibchen – und ein kleiner Wochenrückblick

Letzte Woche gab es wieder viel Neues für den Babybub zu entdecken. Er hat das erste Mal 20161101_182448Erbsen gegessen und seine ganz eigene Technik zum Transport selbiger vom Tisch zum Mund gefunden. Pinzettengriff kann er nämlich noch nicht. Aber mit dem Zeigefinger zur geballten Hand drücken und dann zum Mund heben, das ging super. Es war so schön ihn dabei zu beobachten, wie konzentriert er an seiner Technik gefeilt hat, wie er alles andere von diesem Menü links liegen lassen und nach mehr Erbsen verlangt hat, um weiter zu perfektionieren, was noch nicht so recht klappen wollte.

Was wir diese Woche auch noch hatten, war ein Ausflug zum Chinesen ums Eck. Da gehen wir nur sehr selten hin, aber die Kinder lieben ihn, weil er die besten Pommes weit und breit hat. Ja, Pommes. Beim Chinesen. Na jedenfalls waren wir chinesisch essen und da ist es gar nicht so leicht, was babytaugliches zu finden. Schließlich ist mir aber eingefallen, dass wir vor einigen Jahren schon einmal vor diesem20161110_135358 Problem standen und wir uns damals für Maki entschieden haben. Deshalb haben wir Gurken-Maki bestellt und das hat sich erneut als ideal erwiesen. Konnte der Babybub super greifen und zum Mund führen und wenn er nicht so übermüdet gewesen wär, hätte er es wohl noch mehr genossen. Leider waren alle drei kränkelnd und müd und das gesamte Essen war ziemlich unentspannt…und mehrmals hab ich mich gefragt: warum eigentlich haben wir’s nicht nach Hause bestellt?

Den Rest der Woche wurde frisch gekocht. Es gab Nudeln mit Paprika-Gemüse, Focacce, Spinatspätzle, Paprika-Hühner-Reis, Kartoffelgulasch, Brokkolicremesuppe und Fleischlaibchen mit Spinat und Kartoffelpüree. Letzteres hab ich für den Blog mitgeschrieben und fotografiert. 😊

 

Faschierte Spinatlaibchen und Kartoffelpüree

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  • 400g Faschiertes (Hackfleisch für die Nichtösterreicher)
  • 2 kleine Zwiebeln
  • 2 Knoblauchzehen
  • 200g Blattspinat
  • 1 Ei
  • 5-6 EL Vollkornbrösel

 

  • 1,5kg Kartoffeln
  • ca. 250ml Milch
  • Muskatnuss

20161110_131713Die Zwiebeln schälen und fein hacken, Knoblauchzehen schälen und pressen. Den Blattspinat halb auftauen und ebenfalls fein hacken. Dann mit dem Faschierten, Zwiebeln, Knoblauch, dem Ei und Bröseln vermischen und mindestens eine halbe Stunde ziehen lassen.

Dann zu Laibchen formen und in einer Pfanne in hitzebeständigem Öl auf beiden Seiten bei mittlerer Hitze rausbraten. Die ersten zwei Laibchen hab ich fürs Baby gemacht, danach die 20161110_162749Fleischmasse gesalzen und noch mal durchgeknetet und dann die restlichen Laibchen gebraten. Ich halte die Laibchen immer bei etwa 80 Grad im Backrohr warm, während ich das Püree koche.

Für das Püree die Kartoffeln schälen, in mittelgroße Stücke schneiden und in einem großen Topf mit reichlich Wasser aufkochen. Ca. 15 Minuten köcheln lassen. Danach werden die Kartoffeln püriert. Ich mache das seit ein paar Jahren gern mit der Flotten Lotte. Früher hab ich eine ganz altmodische Kartoffelwippe benutzt, die bekommt man fast nur noch auf Jahrmärkten.

Daneben die Milch erwärmen und nach und nach mit den gepressten Kartoffeln verrühren, bis die gewünschte Konsistenz erreicht ist. Mit Muskatnuss würzen, etwas fürs Baby rausgeben und den Rest für die anderen salzen.

 

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Viel Spaß beim Nachkochen!

Eure Mariella.

 

Hochstuhl-Freiheiten

Vorgestern war es so weit. 2,5 Wochen nachdem er sich das erste mal aufgesetzt hat, sitzt der Babybub sicher genug, stabil genug, um seine Mahlzeiten ab sofort im Hochstuhl sitzend einzunehmen. So sehr wir den Wechsel vom Schoß in den Hochstuhl auch bei jedem Kind noch herbei gesehnt haben, sind wir doch auch jedes mal wieder recht sentimental. Ein weiterer Schritt im unaufhaltsamen Abnabelungsprozess ist getan. Unwiderruflich ist damit eine Babyphase zu Ende gegangen, an die uns schon bald nur mehr Fotos erinnern werden.

Natürlich ist es gut, dass es so ist. Natürlich sollen unsere Kinder selbstständig werden und sich abnabeln und natürlich gehen mit dem Umzug in den Hochstuhl auch jede Menge 018aawiedergewonnener Freiheiten für uns einher. Wieder essen mit beiden Händen! Sich nicht mehr nach dem Essen umziehen müssen! Nicht mehr alles am Tisch parat haben müssen, weil man kann ja jetzt wieder problemlos während den Mahlzeiten aufstehen, ohne den Babybub in seinem Tun zu unterbrechen.
Am Schönsten finde ich ja, dass er mit diesem Entwicklungsschritt mehr in die Mitte der Familie gerückt ist. Tatsächlich ein Stück weg von uns Eltern, aber näher hin zu seinen Brüdern. Jetzt sitzen nicht mehr die zwei Großen und wir mit dem Baby am Tisch, sondern jetzt sind es wir Eltern mit unseren drei Kindern. Ein ganz kleiner Unterschied, vielleicht unsichtbar für Außenstehende, aber intensiv spürbar für uns.

Spätestens also wenn das Baby so sicher und stabil sitzt, dass es in den Hochstuhl übersiedeln kann, stellt sich die Frage: welchen Hochstuhl nehmen wir? Auch wir sind vor 5 Jahren vor dieser Entscheidung gestanden. Aus dem bereits elternseienden Freundeskreis kam einsilbig der gleiche Tipp: Tripp Trapp. Wir waren dennoch zuerst skeptisch, weil: mein Gott, muss es schon wieder der teuerste Hochstuhl sein? (wir hatten zu dem Zeitpunkt ja schon einen 800€ Kinderwagen nutzlos rumstehen…) (und ja, ich weiß, es gibt noch teurere Designerteile)
Überzeugt hat uns dann aber der Besuch bei Freunden, deren Tochter zwei Jahre älter als unser erster Sohn ist. Denn auch dort stand ein Tripp Trapp am Tisch und als ich nachfragen wollte, wo sie ihn denn gekauft hätten, erfuhren wir, dass dies der 27 Jahre alte Tripp Trapp des Vaters war.

So haben auch wir uns für den Tripp Trapp entschieden. Ich mag, dass ich ihn ganz nah zum Tisch hinschieben kann. Ich mag, dass er beim Herumturnen nicht kippt. Ich mag, dass er quasi unkaputtbar ist.

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der große Sohn als Baby im Hochstuhl

Ich mag das schlichte Design. Ich mag, dass er problemlos mitwächst und dem 8 Monate alten Baby so toll passt wie dem 6-jährigen (braucht ein 6-jähriger noch einen Hochstuhl? Jein. Aber wenn er schon da ist, wird er auch gern verwendet). Ich mag, dass er über Generationen hält und an meine Enkelkinder weitervererbt werden kann. Und ich mag manchmal auch selbst drauf sitzen. Und das hält er aus. Was ich eigentlich nicht mag, ist hier Werbung machen. Aber unter den Hochstühlen ist meines Erachtens der Tripp Trapp tatsächlich konkurrenzlos. Wir haben natürlich in den letzten Jahren auch andere Hochstühle ausprobiert, aber oft war das Problem, dass man sie nicht nah genug zum Tisch schieben konnte, dass sie gekippt sind, dass sie wackelig waren. Und deshalb hab ich gestern unseren dritten Tripp Trapp vom Dachboden geholt (ich kaufe ja aus ökologischen wie ökonomischen Gründen fast alles gebraucht, deshalb stand der dritte Tripp Trapp schon fast ein Jahr bereit und wartete auf seinen Einsatz), das Babyset montiert, die Füße zwecks Bodenschonung befilzpatscherlt und dann den idealen Platz am Tisch gesucht. Das war gar nicht so einfach, weil die beiden Großen beide neben mir sitzen wollen, wir aber gerne den Babybub zwischen uns Erwachsenen hätten, weil wir so beide helfend eingreifen können und nicht nur immer einer zum Zug kommt. Runtergefallenes Essen wieder aufheben wär so eine Aufgabe. Den Wasserbecher reichen. Runtergefallenes Essen wieder aufheben. 😉 So halt. Letztlich haben wir uns dafür entschieden, dass der Babybub den Vorsitz übernimmt, er sitzt jetzt am Kopf der Tafel, an der einen Längsseite dann ich und der große Sohn, auf der anderen mein Mann und der mittlere Sohn. Wie lang das gut geht, bis auch der Mittlere wieder neben mir sitzen will, werden wir sehen. Vielleicht bis morgen. Oder sogar Montag.

Gestern gab es dann das erste Frühstück im Hochstuhl für den Babybub. Schon sehr viel wiedergewonnene Freiheit für mich. Grad in der Früh (alle Mütter von mehreren Kindern

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der mittlere Sohn als Baby im Tripp Trapp

werden mir zustimmen) ist’s immer stressig und es gibt viel zu tun, bevor wir aus dem Haus gehen….meist mach ich in der Früh die Wäsche, such die Kindergartenrucksäcke, wasch die Jausenboxen, mach das Frühstück, mach die Jausen, helf den Kindern beim Anziehen, assistiere beim Zähneputzen und Waschen, räum den Geschirrspüler aus, wenn es sich ausgeht, les ich auch noch was vor oder wir spielen was (wenn um 5 Tagwache ist, dann ist für sowas Zeit übrig)…. Na jedenfalls ist es hilfreich, wenn in der Zeit auch das Baby mit den anderen am Tisch sitzt und frühstückt und mal kurzfristig nicht herumgetragen werden will.

Dem Babybub gefällt seine neu gewonnene Freiheit ebenfalls. Sofort bei der ersten Gelegenheit hat er entdeckt, dass man da wunderbar alles Greifbare auf den Boden werfen kann. 025aUnd dann liegt’s unten. Einfach so. Und war doch grad noch am Tisch…und in der Hand…und liegt jetzt unten, und…nein, liegt immer noch unten…. Hach, ich liebe diese Phase. Nein, im Ernst! Ich liebe es, die Kinder in dieser Phase zu beobachten. Ja, für uns ist das vielleicht einfach nur Runterschmeißen, aber für das Baby ist auch das ein so gewaltiger Lernprozess. Es ist ein Lernen von physikalischen Gegebenheiten, davon, wo etwas hingeht wenn es vom Tisch fällt, wie sich das anhört, anfühlt, wie es aussieht, wenn’s unten liegt, ob’s wohl wieder raufkommt? Kinder lernen immer, egal was sie tun. Auch wenn es für uns vielleicht auf den ersten Blick nicht ersichtlich ist. Aber wenn man dann einen Schritt zurück macht und sein Kind beobachtet, ist es meist glasklar, dass jedes „Spiel“ in Wahrheit ein Lernprozess ist.
Im Hochstuhl ergeben sich nun also jede Menge neue Möglichkeiten, zu lernen und zu erfahren. Definitiv wird die Sauerei mit dem freien Sitzen größer. Der Radius erweitert sich, wenn das Kind nicht mehr am Schoß sitzt. Sowohl am Tisch, als auch rund um den Stuhl herum wird das kreative Chaos ausgeweitet. Nach dem Essen muss sich jetzt einer erbarmen und das eingesaute Kind waschen gehen. Der andere putzt Tisch, Tripp Trapp und Boden. Arbeitsteilung ist das halbe Leben mit Kindern. Bei den Mahlzeiten, wo mein Mann nicht hier ist, hab ich natürlich allein das volle Vergnügen. Dann zuerst Baby waschen und schauen, dass in der Zeit niemand in den Essensrestegatsch am Boden steigt oder krabbelt oder fällt oder kriecht. Danach dann Tisch, Tripp Trapp, Boden säubern.

Ich freue mich sehr über diese neuen Entwicklungen, darüber, dass ich dem Babybub jetzt beim Essen und Erfahren zuschauen kann, dass er mit uns am Tisch sitzt, mit seinen Brüdern, dass wir jetzt drei Tripp Trapps hier stehen haben….das ist so ein schönes Familiengefühl.

 

Eure Mariella.

 

REZEPT: Apfelstrudelschnecken

Neulich hat meine Mutter Apfelstrudel gebacken. Der geht ja, weil die Äpfel so viel Süße abgeben, ganz ohne Zucker und ist eigentlich perfekt für Beikostbabys. Nur konnte der Babybub die Apfelstrudelstücke nicht gut in den Händen halten, sie sind in seinen Händen zerfallen, zermatscht, zu Boden gesegelt. Riesen Sauerei halt. Da hab ich mir gedacht: den Apfelstrudel müsst man nur in eine andere Form bringen. Gesagt, getan.

 

Apfelstrudelschnecken

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  • 1 Rolle Blätterteig (oder Strudelteig, funktioniert auch!)
  • 3-4 Äpfel
  • Brösel
  • geriebene Nüsse
  • Zimt
  • ev. Rosinen

 

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Den Blätter- oder Strudelteig ausrollen. Mit Brösel bestreuen. Äpfel schälen und reiben und auf den Bröseln verteilen. Darauf nun geriebene Nüsse, Zimt, ev. Rosinen und abschließend noch einmal Brösel. Die Teigränder rundherum mit verquirltem Ei einstreichen.

 

 

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Den Teig von der langen Seite her einrollen. Beim Strudelteig funktioniert das am Besten, wenn man drunter ein feuchtes Geschirrtuch legt und den Strudel mit dessen Hilfe einrollt, dabei immer wieder den Strudel fest andrücken.

 

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Anschließend die Rolle in ca. 1-2cm dicke Scheiben schneiden und mit der Schnittfläche nach oben auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech legen.

Mit dem restlichen verquirlten Ei bestreichen und bei 200°C Grad ca. 10-15 Minuten backen.

 

Viel Spaß beim Nachkochen!

Eure Mariella.

REZEPT: Rotes Thai-Curry mit Hühnerfleisch und Gemüse

Falls euch jetzt gleich mal die Frage auf der Zunge liegt: „Waaaaaas? Deine Kinder essen das?“. Nein. Natürlich nicht. Für die gab es nackten Reis. Und Ketchup.
Ich habe schon vor ein paar Jahren die Entscheidung getroffen, dass bei uns zuhause nicht der damals 3jährige den Speiseplan bestimmt, weil wir dann jeden Tag nur Palatschinken, Pizza und Pommes (abwechselnd, gleichzeitig, in der Reihenfolge und andersrum) essen würden. Nein, über die Familienkost entscheide zum größten Teil ich. Schon vor einigen Wochen habe ich davon erzählt, dass ich jede Woche Kochpläne erarbeite und dass die Kinder darauf natürlich Einfluss nehmen können, weil ich sie selbstverständlich schon danach frage, was sie gerne essen möchten. Und das koche ich dann auch. Aber an den restlichen Tagen gibt es das, was wir als Erwachsene und Eltern unserer Kinder für eine vollwertige, nahrhafte, abwechslungsreiche und gesunde Familienkost halten. Und ja, da sind definitiv Sachen dabei, die die Kinder derzeit noch nicht essen möchten. Das respektieren wir auch einfach so, keiner muss kosten, niemand wird gezwungen etwas zu essen. Wir kochen immer eine Beilage, die die Kinder aber gerne essen. Und wir sind davon überzeugt, dass sie von alleine kosten, probieren und ihren Speiseplan erweitern werden, wenn sie so weit sind. Konkret sehen tun wir das übrigens eh schon beim 6-jährigen, der vor etwa einem halben Jahr entschieden hat, dass es vielleicht gar nicht so ungeschickt wäre, die Dinge zuerst mal zu kosten, bevor man sie ablehnt, weil doch tatsächlich manchmal Speisen dabei sind, die ihm wider Erwarten schmecken. (gestern sogar die Kürbis-Linsen-Lasagne!)

Zurück zum Thai-Curry. Zum Thai-Curry mache ich immer Reis, ganz schlicht und einfach, der gehört eh dazu und den mögen bei uns die Kinder gern.
Das Rote Thai-Curry kann man sehr abwechslungsreich und auch komplett vegetarisch bzw. vegan zubereiten. Die Basis des roten Currys ist die Rote Currypaste. Die wird immer in Öl angebraten und dann mit Kokosmilch abgelöscht. Welche Zutaten man dann noch dazu gibt, kann ganz individuell gestaltet werden. Die Currypaste gibt es in Asialäden und in der Asienabteilung von großen Supermärkten. Ich hab meine vom Supermarkt, das ist ein kleines Glas mit 100g Paste und die hält ewig lang im Kühlschrank. Sie ist außerdem auch nicht sonderlich scharf
Ob der Roten Currypaste hatte ich heute aber kurz Bedenken, weil es tatsächlich nicht möglich ist, das rote Curry ohne sie zuzubereiten, sie allerdings 7g Salz/100g Paste enthält und das ist schon ein recht hoher Salzgehalt. Deshalb habe ich die verwendete Menge (1 EL) zuerst abgewogen und mir so ausgerechnet, dass das Curry ohne weitere Zugabe von Salz durch die Currypaste 1,4g Salz enthalten wird. Die Menge, die der Babybub ist, würde also auch mit Currypaste so wenig Salz beinhalten, dass ich mir keine Sorgen machen brauchte.

Rotes Thai-Curry mit Hühnerfleisch und Gemüse

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  • 400g Hühnerfilet
  • 800g Gemüse (nach Wahl; ich hatte Brokkoli, Karotten, Bambussprossen und Auberginen hier)
  • 1EL rote Currypaste
  • Sesamöl oder Erdnussöl (ein anderes hocherhitzbares Öl tut’s natürlich genau so)
  • 400ml Kokosmilch
  • 2EL Fischsauce
  • Sojasauce

Hühnerfilet in Stücke schneiden, Gemüse schälen und/oder putzen und ebenfalls in Stücke schneiden. Die Fingerfertigkeit des Beikostbabys bei der Größe der Stücke berücksichtigen.

Etwas Öl in einem breiten Topf oder WOK erhitzen, die Currypaste darin anbraten, mit etwas Kokosmilch ablöschen, dann die restliche Kokosmilch zugießen, umrühren und aufkochen lassen. Das Fleisch hineingeben und 5 Minuten bei mittlerer Hitze köcheln lassen. Das Gemüse zugeben und je nach Art des Gemüses und Größe der Stücke weitere 5-10 Minuten bei geschlossenem Deckel köcheln lassen.

Fleisch und Gemüse für das Beikostbaby entnehmen und abkühlen lassen.

Das restliche Curry mit Fischsauce, Sojasauce und Salz abschmecken.

Dazu Reis servieren.

 

Viel Spaß beim Nachkochen!

 

Eure Mariella.

von Semmeln, Fruchtquetschis und raunzigen Babys

Oh what a day.

Ich hatte heute früh die glorreiche Idee, mit den Kindern zum IKEA zu fahren. Lampen kaufen. Den Babybub haben wir grad recht erwischt, dass er beim Aufbruch so müde war, dass ihm bei der ersten Ampel die Äuglein zugefallen sind und die Fahrt nach Vösendorf entspannt verlaufen ist.

Nach den typischen Startschwierigkeiten dann vor Ort (kaum sind die ersten zwei Artikel im Einkaufswagen, fällt allen ein, dass sie aufs Klo müssen…ist ja aber nicht so, dass man vorher nicht gefragt hätte…) lief es dann erstaunlich gut. Den Babybub hatte ich in Sling und anschließend Tragehilfe dabei, Mittelkind im Einkaufswagen, den Dritten zu Fuß und immer schön allen das Ziel vor Augen halten: „Jetzt gehen wir noch in die Fundgrube, dann zur Kasse und DANN gibt’s Würstel!“ Lampen gefunden, den üblichen unnötigen Kleinkram auch mitgehen lassen (fatal beim IKEA, kennt jeder), fast eine neue Couch gekauft, sich dann aber vom Kaufrausch losgerissen und schnurstracks zur Kassa gegangen und dann, ja dann, endlich Würstel und Pommes. IKEA ohne Würstel und Pommes geht bei uns nicht. Ich hab gehört, für andere ist es der Prinzessinnenkuchen. Wir mögen’s beim schwedischen Möbelriesen aber lieber pikant. Drei Mal Würstel, drei Mal Pommes, drei Mal Becher zum Nachfüllen. Der Babybub hat von der Auswahl leider nur ein Stück Semmel essen dürfen, hat ihn aber dennoch zufrieden gestellt. Dem ging es da hauptsächlich darum, auch dabei zu sein, mitmachen zu können bei der gemeinsamen Mahlzeit am ungewöhnlichen Ort.
Total aufgestachelt von unermesslichen Glücksgefühlen, dass ich IKEA mit drei Kindern locker, cool, entspannt und quasi mit links geschafft hab – ohne Schäden, ohne Geschrei und Gekreische, ohne Nervenzusammenbruch – haben wir dann auch noch die SCS gestürmt und Fruchtquetschis für die Kinder besorgt. Die kauf ich ja eigentlich gar nicht so gern, weil sie einerseits bei diversen Tests ja meist grottenschlecht abschneiden und ich es andererseits auch so absurd finde, die Kinder konserviertes, püriertes Obst aus dem Plastikbeutel TRINKEN zu lassen, ABER ich lass mich dann doch immer wieder breitschlagen und sie bekommen’s bei sämtlichen Einkaufsausflügen, die Drogeriemärkte miteinschließen, weil ich mir da wieder denk: immer noch besser als irgendeine andere Nascherei. Deshalb gab’s heute Quetschis und weil dann beim Einsteigen ins Auto der Babybub total unruhig war (er ist ja generell ein sehr unzufriedener Autofahrer), durfte er den Rest vom Heidelbeer-Quetschi des Mittelkindes benuckeln. Ja, war der begeistert! Nur leider hat jetzt der hellgraue Wollwalkanzug lila Flecken. Heulen könnte man.

Zuhause musste ich dann aber feststellen, dass der Ausflug irgendwie doch zu viel für alle war. In ein Einkaufscenter zu fahren ist für Babys Reizüberflutung pur. 20161027_162650Und obwohl er von mir natürlich die ganze Zeit getragen wurde, war er den Rest des Tages nur mehr am Raunzen. Nichts ging mehr. Spielen mit den Großen – Fehlanzeige. Der Babybub war nur zufrieden, wenn ich ihn im Tragetuch oder in der Tragehilfe hin und her gewippt habe. Nichts konnte ich mehr machen – sehr unzufriedenstellend mit 5 neuen Lampenschirmen, die man gern montiert hätte und zwei größeren Raunzkindern, die von mir beschäftigt werden wollten. Nach dem etwa 10. Versuch, ob er sich nicht doch kurz ablegen ließ und sich ein wenig selbst beschäftigen könnte, hab ich mich meinem Schicksal gefügt, den Babybub herumgetragen und die Spielwünsche der größeren Kinder auf später vertröstet. Dabei ist er dann sogar nochmal eingeschlafen.

Am Abend hat der Babybub dann sein erstes Thai Curry gegessen! Das koche ich zwar regelmäßig, aber nicht besonders häufig. Dabei ist es gesund und reichhaltig und einfach zu machen. Das Rezept schreibe ich euch dann morgen zusammen.

Jetzt muss ich dem Mann den raunzigen Babybub wieder abnehmen, da geht heut nix mehr. Und den Großen die Geschichte vorlesen, auf die sie schon den ganzen Nachmittag gewartet haben.

Eure Mariella.

REZEPT: Hotzenplotzs Sauerkraut mit (Salz)kartoffeln und Bratwürsten

Immer wieder mal wünschen sich die Kinder etwas zum Essen, das sie in einem Buch gesehen oder gelesen haben. Da wird dann, sofern Bilder vorhanden sind, auch akribisch verglichen, ob denn das Gekochte tatsächlich der Idee aus dem Buch entspricht. Meistens sind sie ziemlich zufrieden. Wir bemühen uns aber auch sehr.

Unser heutiges Abendessen entsprang dem zweiten Band des Räuber Hotzenplotz. 20161023_194617Die Großmutter kocht für Kasperl und den Seppel jeden Donnerstag zu Mittag deren Leibspeise: Bratwürste mit Sauerkraut. Dann kommt aber der Räuber Hotzenplotz und futtert ihnen alles weg. Weil er nämlich auch auf Bratwürste und Sauerkraut steht. Und genau deshalb wollte der große Sohn jetzt auch Bratwürste und Sauerkraut gekocht bekommen. Ich hab mir erlaubt, das Menü noch um (Salz-) Kartoffeln zu erweitern, weil wir eigentlich alle nicht so große Freunde der deftigen Küche sind und ich das Gefühl hatte, ich könnte mich eher mit Sauerkraut und Kartoffeln anfreunden als mit Sauerkraut und Bratwürsteln. Dass die im Buch erwähnten Bratwürste den bei uns erhältlichen Bratwürsteln entsprechen, hab ich übrigens frei interpretiert. Beim Einkauf hab ich zwei verschiedene Sorten Bio-Bratwürstel gefunden und ich hab mich für die kleineren entschieden, weil sie weniger unappetitlich aussahen. Rohe Bratwürstel sind ja jetzt nicht unbedingt eine Schönheit. Der große Sohn jedenfalls war zufrieden mit meiner Auswahl an Würsten und fand keinen Grund zur Beanstandung.

Sauerkraut kann ich erst seit ein paar Jahren so zubereiten, dass es wirklich lecker ist. Ich hab da lang probiert, versucht und getestet und letztlich mein Rezept aus ganz viel Trial and Error entwickelt. Sauerkraut geht übrigens auch super zusammen mit Semmelknödel, das machen wir auch deutlich öfter als mit Würsteln und ist meine vegetarische Interpretation der österreichischen Hausmannskost. 😉 Sauerkraut ist, wie vielleicht gar nicht so bekannt ist, alles andere als ungesund, auch wenn es bei uns meist mit einer deftigen Kost in Verbindung gebracht wird. Es ist reich an Vitaminen, allen voran Vitamin C, enthält außerdem jede Menge Ballaststoffe und sogar eine probiotische Wirkung wird ihm nachgesagt.

Das Fazit des ganzen Experiments war übrigens, dass der große Sohn die Würstel gegessen hat und alles andere nicht, weil er sich „das irgendwie anders vorgestellt“ hat. Der mittlere Sohn hat bis auf die Kartoffeln alles verweigert und der Babybub hat Sauerkraut reingeschaufelt.

Sauerkraut mit (Salz)kartoffeln und Bratwürsten

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  • 1kg Sauerkraut
  • 2-3 Zwiebeln
  • 1 Knoblauchzehe
  • 1 Apfel (idealer Weise säuerlich)
  • 3EL Butter oder Butterschmalz
  • 2EL Rohrzucker
  • 150ml Apfelsaft (da bevorzuge ich den naturtrüben)
  • 600-700ml Wasser
  • (1EL Suppenwürze ohne Salz)
  • 5 Nelken
  • 1 Lorbeerblatt
  • 2EL gehackter Petersil (geht auch getrockneter)
  • 1,5kg Kartoffeln
  • Bratwürstel

Das Sauerkraut in einem feinen Sieb gut waschen, in eine große Schüssel geben, mit kaltem Wasser begießen und so mehrere Stunden oder über Nacht wässern.

Die Zwiebeln schälen, halbieren und in Ringe schneiden. Die Knoblauchzehe und den Apfel ebenfalls schälen und in Scheiben schneiden.
Butter oder Butterschmalz in einem großen Topf erhitzen, Zwiebel, Knoblauch und Apfel darin glasig dünsten. Rohrzucker dazugeben, karamellisieren lassen, mit Apfelsaft ablöschen. Das Sauerkraut gut ausdrücken, dazu geben und gut unterrühren. Nelken, Lorbeerblatt und Petersil dazu, falls vorhanden Suppenwürze ohne Salz hinein, mit Wasser aufgießen, aufkochen lassen. Danach die Hitze reduzieren und bei geschlossenem Deckel 90 Minuten köcheln lassen, immer wieder mal umrühren.
Ich geb danach etwas fürs Baby raus, würze für uns das ganze Kraut mit Salz nach, gieße noch etwas Wasser an und lass es noch 10-15 Minuten ziehen.

Die Kartoffeln schälen und in Stücke schneiden, in einen Topf geben, mit Wasser aufgießen, aufkochen, Hitze reduzieren und zugedeckt ca. 15 Minuten köcheln lassen. Gesalzen werden die Kartoffeln dann direkt bei Tisch, das Baby bekommt die ungesalzen.

Die Bratwürstel waschen, trocken tupfen, 2-3 Mal quer einschneiden und in einer Pfanne in wenig Fett rundherum braten.
Ich würde im 1. Lebensjahr aufgrund des hohen Salzgehalts darauf verzichten, dem Baby die Bratwürstel anzubieten. Alles andere hingegen ist fürs Baby bestens geeignet.

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Viel Spaß beim Nachkochen!

Eure Mariella.

Sitzen

7 Monate, 1o Tage und 9 Stunden nach seiner Geburt hat unser Babybub sich gestern das erste Mal aufgesetzt!
Siebeneinhalb Monate ist er auf meinem Arm gelegen, ist er im Tragetuch oder in der Tragehilfe gewesen, hat er am Busen gehangen, ist er auf meinem Schoß gesessen, war munter oder hat geschlafen, hat geschaut, was ich da tue, hat auf den Tisch gegriffen, mitgegessen und mitgetrunken, mal neugierig und interessiert, mal müde und lustlos, erst tolpatschig und doch bald schon so geschickt….egal wann, egal wie, er war bei allen Mahlzeiten der letzten siebeneinhalb Monate bei uns dabei. Das heißt auch, dass siebeneinhalb Monate lang immer einer von uns einhändig essen musste. Wenn man da drin steckt, in dieser Phase, kommt einem das sooooo lang vor. In Wahrheit ist das natürlich eh nur eine sehr kurze Zeit, aber ab einem gewissen Punkt freut man sich dann einfach schon sehr und wartet sehnsüchtig darauf, dass sich das Kind doch endlich aufsetzen möge und der Zeitpunkt, an dem eine Übersiedlung in einen Hochstuhl angebracht erscheint, näher rückt.

Ich erinnere mich bei jedem meiner Kinder genau an den Moment, wo sie sich das erste Mal aufgesetzt haben.
Beim Großen war das zuhause im Wohnzimmer, da haben wir noch in Wien gewohnt, in einer schönen aber zu kleinen Altbauwohnung in einer klassischen Bobo-Gegend im 3. Wiener Gemeindebezirk. 241397_10150257244002494_5822545_oEs war ein sonniger Tag im Mai, er war knapp 7 Monate alt und ich saß bei ihm am Boden. Er war schwer mit sich selbst beschäftigt im Vierfüßler und wippte eifrig auf und ab im Versuch, vorwärts zu kommen – als plötzlich und unerwartet sein Po den Boden erreichte. Und da saß er. Und hat geweint. Sich hinzusetzen war ganz offensichtlich nicht Ziel des Masterplans. Er hat sich dann aber ganz schnell mit den neuen Möglichkeiten in sitzender Position angefreundet. Und krabbeln ging ein paar Tage später dann auch. Ein paar Wochen nach dem ersten Hinsetzen war er stabil genug und bekam mit dem Hochstuhl seinen eigenen Platz am Tisch.

10457174_10152663426922494_2418029703844198009_nDer Mittlere war recht spät dran mit allem und hat sich erst mit 10 Monaten aufgesetzt. Und das so ganz nebenbei, als er eigentlich mit zwei Bändchen von meinem Rock beschäftigt war. Wir saßen im Garten, eine Freundin und ich, und der Mittelbub lag neben mir am Bauch und bearbeitete angestrengt meinen Rock, tapste sich auf meinen Oberschenkel hinauf und lutschte, zerrte, knabberte an meinem Bändchen – und saß auf einmal einfach da. Er hat es nicht mal selbst gemerkt. Ich hingegen wäre vor Freude am liebsten in die Luft gesprungen! 10 Monate….das war schon recht zach.

Nun, beim Babybub war es gestern so weit. In der Schwimmhalle. Beim Schwimmkurs des Großen. Er lag auf dem Boden und hielt sich im Vierfüßler, wippte vor und zurück, 14731108_10154785331492494_2955209545894628832_nso wie er das schon seit ein paar Wochen macht, im Versuch, vorwärts zu kommen. Und genau wie beim Großen vor 5 Jahren kam der Baby-Popo dem Boden immer näher und näher und näher – und plötzlich saß er da! Er war überrascht, aber recht begeistert. Heute hat er dann die Kiste mit den Holzbausteinen zum Festhalten entdeckt und sich mehrfach mit deren Hilfe zum Sitzen gebracht. Im Gegensatz zu wie’s bei den beiden anderen war, ist er so extrem glücklich darüber! Er strahlt übers ganze Gesicht und es kommt mir fast so vor, als wüsste er, welchen Meilenstein er da jetzt erreicht hat.

In den Hochstuhl wechseln lassen wir die Kinder immer erst dann, wenn sie richtig stabil frei sitzen können. Also ohne anhalten und so.

Auch wenn es einem oft schwer fällt, sollte man der Versuchung widerstehen, sein Kind hinzusetzen, bevor es sich selbst hinsetzen kann. Man sollte ein Baby in gar keine Position bringen, aus der es nicht selbst wieder herausfindet, weil das für den Körper einfach nicht gesund ist. Also das gilt nicht nur fürs Sitzen. Die motorischen Entwicklungsschritte im ersten Lebensjahr hängen mit der Entwicklung der Wirbelsäule resp. der Muskulatur, die den Oberkörper aufrecht hält, zusammen. Ein Baby hinsetzen, bevor es sich selbst aufgesetzt hat, bedeutet, dass man es in eine Körperhaltung bringt, die es eigentlich noch nicht einnehmen kann, weil die dazu nötige Muskulatur noch gar nicht vorhanden ist. Es kann zu Stauchungen der Wirbelsäule und Druck auf Organe kommen und natürlich werden auch die Bandscheiben dabei belastet. Abgesehen davon macht es auch einen Unterschied bei den neuronalen Verknüpfungen im Gehirn, ob ein Kind den Schritt zum Sitzen selbst gemacht hat oder ob ihm das vorweggenommen wurde. Einen sehr ausführlichen und informativen und wahnsinnig lesenswerten Blogbeitrag zu dem Thema gibt es bereits bei gewünschtestes-wunschkind.de, dem hab ich auch nicht mehr wirklich was hinzuzufügen. 🙂

Wir freuen uns jedenfalls gemeinsam mit dem Babybub über seine neu gewonnenen Perspektiven und all das, was noch kommt. Den Hochstuhl, der wartet schon auf dem Dachboden auf seinen Einsatz, werden wir erst holen, wenn er soweit ist. Aber ich geb zu, ich freue mich schon wahnsinnig darauf, alle drei Kinder um den Tisch herum verteilt zu haben und beim Essen sehen zu können. Und natürlich auch darauf, am Tisch wieder beide Hände frei zu haben.

 

Eure Mariella.

REZEPT: Nudeln mit Melanzanipesto

In meiner Schreibpause haben sich natürlich eine Menge Rezepte angesammelt von den Speisen, die wir in den vergangenen Wochen zubereitet haben. Der Babybub hat ganz viel Neues ausprobiert und kennengelernt, manches mochte er total gern, anderes nicht so. Ein ganz großer Hit waren aber die Nudeln mit Melanzanipesto (Auberginenpesto für die Nichtösterreicher). Hab ich eh schon mal erzählt, er liebt Melanzani. Und auch dem großen Sohn hat’s geschmeckt, der mittlere verweigert sowieso sämtliche Saucen und Pestos, der mag die Nudeln nackt mit Parmesan. Das kann man ja leicht abwandeln. Hier aber nun das Rezept fürs Pesto.

 

Nudeln mit Melanzanipesto

  • 1 Melanzani (Aubergine)
  • 50g Sonnenblumenkerne
  • 1 Topf Basilikum
  • 2 Knoblauchzehen
  • 6EL Olivenöl
  • 1TL Limettensaft (Zitronensaft tut’s auch)
  • 6EL Parmesan

[Ich habe die doppelte Menge zubereitet, deshalb weichen die Mengen auf den Bildern von der Beschreibung ab!]

Melanzani (Aubergine) waschen, trocknen, rundherum mit einer Gabel einstechen, auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech legen und bei 250°C ca. 30 Minuten braten. Die Haut sollte Blasen werfen, dann ist das Innere der Melanzani auch weich.

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Sonnenblumenkerne in einer Pfanne ohne Fett rösten, abkühlen lassen.

Die Blätter vom Basilikum abzupfen. Knoblauchzehen schälen und vierteln.

 

melanzanipesto3Melanzani halbieren und das Fruchtfleisch mit einem Löffel herausschaben. Schaut auf dem Foto ein bisserl aus wie Tintenfisch. Ist aber nur Melanzani. 😉

Gemeinsam mit den Sonnenblumenkernen, Basilikum, Knoblauch, Olivenöl und Limettensaft pürieren.

Den Parmesan reiben und unterrühren.

Nudeln kochen, abseihen, mit dem Pesto verrühren. Fertig.

Mit Parmesan und grünem Salat servieren.

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Viel Spaß beim Nachkochen!

Eure Mariella.

Vorfreuden

Die Bubengeburtstage sind geschafft! Der große Sohn ist gestern 6 geworden und das war der fulminante 085aAbschluss des herbstlichen Geburtstagsreigens. Davor gab es Samstags noch eine riesige Feier bei uns daheim mit sage und schreibe 39 Gästen. Ja, das war schon ein bissl viel. Zum Glück war das Wetter gut und der Großteil der Kinder war die meiste Zeit im Garten. Wir haben Torten gegessen und Würstchen gegrillt und die beiden großen Buben hochleben lassen. Bei uns darf sich jeder zu seinem Geburtstag an seinem Geburtstag einen Ausflug wünschen. Am Geburtstag bestimmt das Geburtstagskind mehr oder weniger den kompletten Tagesablauf und darf sich frei aussuchen, was wir mit ihm unternehmen. Und deshalb waren wir gestern in der Schokoladenfabrik. Korrekt heißt’s Schokoladenmanufaktur… Ein Paradies, nicht nur für die Kinder. 138aGute zwei Stunden lang haben wir uns durch die Fabrik genascht. Schokolade im Überfluss. Danach gab es einen Spaziergang durch den Tiergarten und anschließend Pommes, aber keine ordinären, sondern in Scheiben geschnittene Bio Pommes um satte 4,90€. Na ja, war ja Geburtstag. So oder so gab es irgendwie den ganzen Tag nichts für den Babybub und da sich das Geburtstagskind für den Abend „bestellte Pizza“ gewünscht hat (übrigens mit der Anmerkung „Mama, deine selbstgemachte Pizza schmeckt zwar besser als die Bestellte, aber ich will trotzdem eine bestellen), war auch das nicht optimal für das Baby. Und weil er schon den ganzen Tag mit großen Augen verfolgt hat, wie Schokoladestückchen für Schokoladestückchen in meinem Mund verschwindet, er keine Pommes bekommen hat und wir kaum Alternativen für ihn parat hatten, durfte er ausnahmsweise abends ein Stück Pizzarand essen. Ich geb zu, ich bin einfach heikel wegen dem Salz und der Teig war nunmal nicht wenig gesalzen….natürlich hat er reingehauen. Natürlich hat ihm das geschmeckt. Spannend war, dass er tatsächlich ein halbes Glas Wasser getrunken hat. Babyglas natürlich, also ein kleines, aber trotzdem eine enorme Menge für ihn. Fand ich vor allem ja deshalb so interessant, weil ich mich ja erst vor Kurzem mit dem Thema Salz so auseinandergesetzt habe und heute die ganzen Zusammenhänge verstehen kann.

Nun aber ist der Geburtstagswahnsinn vorbei und es kehrt Normalität bei uns ein. Ich freue mich jetzt sehr auf den restlichen Herbst und auf Maroni und Punsch und Bratäpfel, die so gut duften und so blöd zum Essen sind. Ich freu mich auf Weihnachtsbasteleien und Weihnachtskekse, auf leuchtende Kinderaugen vorm selbstgebastelten Adventkalender.

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Auf kalte Spaziergänge und Lesestunden vorm Ofen in unserem neuen Lesezelt (das haben die Buben von Freundinnen zum Geburtstag bekommen).

Ich freue mich darauf, dass der Babybub an allem wird teilhaben können. Ich möchte heuer Kekse backen, die er auch schon essen kann und er wird bei unserem weihnachtlichen Fondue dabei sein können. Er wird seinen ersten Christbaum sehen und mit uns auf Christkindlmärkte gehen. Aber nicht nur für ihn sind das erste Male. Auch für den Mittelbub ist vieles heuer ganz neu, weil er mit seinen 3 Jahren eine andere Wahrnehmung hat als vor einem Jahr noch, er die Dinge bewusster erlebt und mit anderen Augen sieht als letztes Jahr mit 2. Und der Große, der ist in seinem Vorschuljahr und auch für ihn werden heuer in der Vorweihnachtszeit andere Dinge spannend sein als letztes Jahr noch. Er ist feinmotorisch viel geschickter und kann mehr Dinge beim Basteln selbst machen. Oder beim Backen.

Dennoch wird es für mich auch heuer wieder eine enorme Herausforderung sein, mit den Kindern Kekse zu backen. Zu dünn ausgerollter Teig, zu Tode gekneteter Teig, zerzupfter Teig, schmutziger Teig, Kekse mit Löchern und fehlenden Ecken, Glasur quer durchs Haus verteilt und Zuckerkügelchen in allen Winkeln,. Ecken und Kleidungsstücken….aber ich werd auch diesmal wieder daran arbeiten, meinen Perfektionismus hintenanzustellen und das in den Vordergrund zu rücken, was wirklich wichtig ist: dass die Kinder eine Freude haben, dass sie etwas lernen und erleben können, dass sie Spaß dabei haben, und dass es ein Ereignis ist, an das sie sich als Erwachsene noch gern zurückerinnern werden. Scheiß egal, ob die Kekse perfekt sind – oder eben nicht.

Ich freu mich darauf, dass der Babybub kulinarisch neue Welten entdecken wird, besonders in der zimt- und vanillelastigen Weihnachtszeit. Und ich hoffe, dass ich Zeit genug finden werde, unsere Beikosterlebnisse auch weiterhin mit euch zu teilen.

Eure Mariella.