Salz

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Es ist mir schon lange ein Anliegen, einen rundum informativen Beitrag über Salz zu verfassen. Ich habe gut zwei Wochen dran geschrieben, viel gelesen, mich mit Ärztinnen und Chemikerinnen ausgetauscht und hier für euch alle wichtigen Infos zum Thema Salz zusammengefasst.

Dass Babybeikost – egal ob püriert, im Gläschen oder eben Fingerfood – nicht gesalzen werden soll, ist, denke ich, allen bekannt. Warum genau man aber auf Salz verzichten soll oder ob man überhaupt muss und wenn ja, wie genau das zu nehmen ist, das wissen dann schon nur mehr Wenige. Dabei ist Salz ein nicht wegzudenkendes Würzmittel in unseren Haushalten, für einen europäischen Erwachsenen sogar kaum vorstellbar, ohne Salz zu leben – nur was genau wissen wir schon davon? Warum brauchen wir Salz überhaupt und wieviel davon ist gesund, wo beginnt Salz ungesund zu werden? Was ist mit den sogenannten „versteckten Salzen“, die in vielen Lebensmitteln einfach schon vorhanden sind? Ich denke da an Käse, Wurst, Schinken, aber auch an fertig gekauftes Brot und Gebäck…. Das sind Lebensmittel, die wir häufig im Alltag verwenden, die oft Teil einer Speise sind und deren Salzgehalt dann natürlich beginnt eine große Rolle zu spielen, wenn das Baby mitisst. Wie viel davon ist also unbedenklich und wann wird es gesundheitsschädlich? Was macht Salz überhaupt in unserem Körper und was passiert, wenn man zu viel davon konsumiert hat?

  • wozu brauchen wir Salz?

Salz ist für den menschlichen Körper lebensnotwendig, er kann es allerdings nicht selbst bilden und deshalb muss es über die Nahrung zugeführt. Ohne Salz wären wir nicht lebensfähig, denn wir brauchen es für den Aufbau der Zellen, für Muskeln, Knochen und um den Wasserhaushalt im Gleichgewicht zu halten. Der erwachsene Körper hat übrigens einen Salzgehalt von rund 200-300g, der Körper eines Babys nur von ca. 14g.

  • wie viel Salz brauchen wir?

Das Salz, das wir für unseren Körper brauchen, könnten wir problemlos über unsere tägliche Nahrung aufnehmen, ohne zusätzlich zu salzen. Denn wir brauchen relativ wenig davon, etwa 1g/Tag würde für einen durchschnittlichen Erwachsenen in Europa wohl genügen. Die WHO empfiehlt eine Salzzufuhr von maximal 5g/Tag für Erwachsene. Tatsächlich nehmen wir pro Tag aber durchschnittlich 8g Salz zu uns – zu viel und auf Dauer ungesund.
Unter 9 Monaten sollte Babys laut WHO kein Salz zugeführt werden, zwischen 18 und 36 Monaten werden dann 2g/Tag als obere Grenze angegeben (das ist eigentlich schon recht viel, wenn wir bedenken, dass einem ausgewachsenen Menschen 1g/Tag ja reichen würde…).

  • was macht zu viel Salz mit unserem Körper?

Salz bindet Wasser. Zu viel Salz entzieht daher dem Körper Flüssigkeit. Das ist logisch und nachvollziehbar, ich brauche nur eine Scheibe Gurke zu nehmen und sie salzen  – binnen kürzester Zeit werden sich kleine Wasserbläschen an der gesalzenen Fläche der Gurke bilden – Wasser, das das Salz der Gurke entzogen hat. Mehr oder weniger genau so ist das in unserem Körper auch. Das Salz entzieht dem Körper Flüssigkeit. Diesen Entzug von Flüssigkeit verspüren wir vor allem an den Nieren, denn diese benötigen Flüssigkeit, um zu funktionieren. Die Aufgaben der Nieren liegen darin, den Wasserhaushalt und den Blutdruck zu regulieren und Giftstoffe aus dem Körper auszuscheiden. Eine weitverbreitete Folge von eingeschränkter Nierenfunktion sind Bluthochdruckerkrankungen – eine Volkskrankheit in Mitteleuropa die Hand in Hand mit der chronischen Überdosierung von Salz geht.
Allerdings kann der Körper mit einem gelegentlichen Zuviel an Salz durchaus umgehen, indem er vermehrt Flüssigkeit verlangt, um das überflüssige Salz wieder zu kompensieren. Ein Beispiel aus dem Alltag haben wir alle schon mal erlebt: eine Packung Chips, knisternd, fettig, salzig. Mir reicht schon der Gedanke daran, um Durst zu verspüren – und tatsächlich ist es so, dass unser Körper sich eine Extraportion Wasser holt um die Überdosis Salz wieder auszugleichen. Wer also reichlich Wasser trinkt, kann seinem Körper helfen, sich wieder zu regulieren.

  • bringt Salz uns um?

Diese Frage kann man wohl, auch wenn’s recht dramatisch rüberkommt, mit einem einfachen „ja“ beantworten. Die Zivilisiationskrankheiten in unseren Breitengraden, die mit einer dauerhaften Überzufuhr an Salz in Verbindung stehen, sind vielfältig und zahlreich. Aber auch eine kurzfristige extreme Überdosis Salz kann tödlich enden: man geht davon aus, dass etwa 1g/Salz pro kg Körpergewicht tödlich wirken kann. Bei einem Erwachsenen sprechen wir da von ca. 60-80g Salz, bei einem Baby oder Kind können je nach Größe und Gewicht schon 8-10g Salz zu viel sein. Natürlich können wir davon ausgehen, dass weder ein Kind noch ein Erwachsener sich versehentlich mit Salz vergiftet, weil zu viel Salz in jeglicher Speise schlichtweg ungenießbar ist. Dennoch gibt es einen bei uns bekannten Fall einer tödlichen Salzvergiftung, und das ist der der 4jährigen Angelina, die 2004 im Rahmen einer „Erziehungsmaßnahme“ von ihrer Stiefmutter mit Salz getötet wurde.

  • wieviel Salz soll nun ein Baby im Beikostalter bekommen?

Die WHO empfiehlt, Babys im 1. Lebensjahr keinerlei Salz zuzuführen. Genau gleich lautet auch die offizielle Empfehlung des österreichischen Gesundheitsministeriums. Das heißt aber nicht, dass Babys gar kein Salz zu sich nehmen, denn, wie ich eingangs schon erwähnt habe, Salz ist ja lebensnotwendig – auf die Dosis kommt es an! Sogar Muttermilch enthält Salz (und zwar 0,04g/100g Muttermilch) und das ist auch gut und richtig so (auch künstlicher Säuglingsnahrung ist Salz zugesetzt). Der National Health Service in Großbritannien trifft es mit der Empfehlung da also etwas genauer, wenn sie betonen, dass Babys im 1. Lebensjahr nicht mehr als 1g Salz/Tag zu sich nehmen sollten.
Das eine Gramm Salz pro Tag, das hier für Babys als unbedenklich gilt (und das übrigens auch hierzulande an Universitäten gelehrt wird – danke an meine Kollegin Hansi für den Einblick in ihre Unterlagen!), bezieht sich auf den Anteil Salz, der ohne zusätzliches Salzen durch das Konsumieren gängiger Lebensmittel aufgenommen wird. Sofern dem Baby Wasser zur Verfügung steht, spricht nichts dagegen, seinem Baby im Beikostalter ein Stückchen Käse oder auch mal ein Stück Brot anzubieten. Und ihr werdet auch sehr schnell selber feststellen, wie viel öfter euer Baby nach dem Wasserglas verlangt, wenn es etwas Salz zu sich genommen hat (auch wenn wir von minimalen Mengen reden). Außerdem isst ja ein Baby, das selbst essen darf, im 1. Lebensjahr so geringe Mengen, dass man auf das 1g Salz/Tag niemals kommt, sofern man sich an die Grundgedanken des Baby Led Weanings (keine Fertigprodukte, die gekochten Mahlzeiten für das Baby nicht salzen) hält.
(Ich habe übrigens erst neulich ein Stück Käse, das ich für den Babybub vorbereitet hab, vor und nach dem „Essen“ abgewogen. Ich hab ihm 27g Käse auf den Tisch gelegt und nach dem Essen 25g Käse wieder eingesammelt. 😉 Selbst bei einem Käse mit hohem Salzgehalt (2-5-3g Salz/100g Käse) wäre das nicht mal erwähnenswert.)

 

Eure Mariella.

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